Pferd Nierenprobleme

Nierenprobleme beim Pferd

Wenn der Körper nicht mehr richtig entgiftet

Erste-Hilfe: Was tun bei Nierenproblemen?

  • Flüssigkeitstherapie: Wasser soll zur freien Aufnahme verfügbar sein, evtl. über Mash/feuchte Futtermittel Wasser zuführen
  • Absprache mit dem Tierarzt 
  • Fütterung anpassen und auf gute Futterqualität achten
  • Entgiftung: nach Medikamentengabe, nach Aufnahme von giftigen Pflanzen, Schadstoffen oder
  • Schimmelpilzgiften, bei Stoffwechselstörungen
  • Nährstoff- und Elektrolytimbalancen ausgleichen
  • Präventive Maßnahmen: Das Trinkverhalten beobachten und prüfen, ob das Pferd genügend bzw. von der angebotenen Quelle (Kübel, Tränke etc.) problemlos trinken kann und will

Entstehung von Nierenerkrankungen


Nierenerkrankungen (Nephropathien) treten beim Pferd nicht unbedingt häufig auf. Das liegt mitunter daran, dass sie oftmals sehr spät erkannt und diagnostiziert werden. Eine Nierenschädigung manifestiert sich erst dann im Blutbild, wenn der Krankheitsverlauf bereits weit fortgeschritten ist.

Die Ausprägungen von Nierenerkrankungen können so vielfältig sein wie ihre Ursachen. Viele Turnierpferde nehmen stressbedingt zu wenig Wasser auf oder verhalten den Harn. Auch Distanzpferde nehmen häufig nicht ausreichend Wasser auf. Zudem können Koliken und schwere, lang anhaltende Durchfälle zur Austrocknung (Dehydrierung) führen. Durch den Flüssigkeitsmangel werden die Nieren nicht ausreichend durchblutet und mit zu wenig Sauerstoff versorgt. Aufgrund der ineffektiven Energiegewinnung bilden sich vermehrt freie Radikale, welche eine weitere Schädigung des Nierengewebes hervorrufen können.

Des Weiteren können die Nieren durch dauerhafte Medikamentengaben (z.B. Antibiotika, NSAIDs [nicht steroidale Entzündungshemmer]), aber auch durch Bakteriengifte (z.B. Botulinumtoxin der Clostridien aus keimbelasteter Silage), Infektionskrankheiten (z.B. Druse) und Schwermetalle (z.B. Quecksilber) überfordert werden. Insbesondere Schimmelpilzgifte (Mykotoxine) aus verdorbenem oder ungeeignetem Heu und Getreide stellen eine nicht zu unterschätzende Gefahrenquelle dar. Stoffwechselstörungen (z. B. Cushing Syndrom, Leberprobleme, Kreuzverschlag) können ebenfalls zu einer eingeschränkten Nierenfunktion führen. Auch Tumore oder angeborene Fehlbildungen können die Nieren des Pferdes schädigen.

Hohe Proteinmengen in der Futterration führen nach dem Abbau in der Leber zu hohen Mengen an Harnstoff. Die Krux dabei ist, dass eiweißarme Fütterung nicht gleichbedeutend mit gesunder Fütterung ist. Zur Aufrechterhaltung der Körperfunktionen benötigt das Pferd essentielle Aminosäuren. Das sind Protein- bzw. Eiweißbestandteile, die der Körper nicht selbst herstellen kann. Eine lang anhaltende Überversorgung mit Calcium kann zu Nierensteinen (Urolithiasis) führen, da überschüssiges Calcium über die Nieren abgeführt wird. Pferde reagieren zudem empfindlich auf hohe Vitamin D-Gaben. Dies kann ebenfalls zur Einlagerung von Konkrementen führen.

Mögliche Ursachen von Nierenproblemen

  • Flüssigkeitsmangel: Pferd trinkt nicht genug
  • dauerhafte Medikamentengabe
  • Bakteriengifte
  • Infektionskrankheiten wie Druse
  • Schwermetalle
  • Schimmelpilzgifte
  • Stoffwechselstörungen
  • falsche Fütterung (z.B. Überversorgung mit Proteinen)
  • Tumore oder angeborene Fehlbildungen

Nierenschäden erkennen

Durch die Kompensationskraft des Pferdekörpers lassen sich Nierenschäden oft erst im fortgeschrittenen Krankheitsstadium deutlich erkennen. Leichte Nierenfunktionsstörungen bleiben oftmals unbemerkt, denn die möglichen Symptome sind unspezifisch und können auch durch andere Pferdeerkrankungen ausgelöst werden. Die Symptome von Nierenproblemen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und in jedem Stadium auftreten.

Nierenschwache Pferd neigen zu Entgiftungsstörungen. Diese äußern sich z.B. in Verhaltensauffälligkeiten. Ist die Nierenfunktion eingeschränkt, wird nur ein Teil der im Körper anfallenden Giftstoffe wieder nach außen abtransportiert. Der andere Teil kann (ungehindert) die Blut-Hirnschranke durchdringen und Wahrnehmungsstörungen hervorrufen. Das äußert sich bspw. in übertriebener Schreckhaftigkeit und Ängstlichkeit. Bei manchen Pferden kann man den (unangenehmen) Harngeruch auch mit feiner Nase am Körperfell feststellen. Betroffene Pferde neigen zu Muskelverspannungen im Bereich Rücken/Becken und verschiedentlich zu angelaufenen Beinen. Auch Fellprobleme (z.B. Ekzem) können neben einer eingeschränkten Leberfunktion mit einer Nierenschwäche in Verbindung stehen.

Symptome von Nierenproblemen

  • vermehrte Harnproduktion/-absatz (Polyurie), z.T. mit geringem spez. Gewicht, d.h. wässrig und wenig konzentriert; im fortgeschrittenen Stadium Oligurie (Harnausscheidung reduziert), im Endstadium bei akutem Nierenversagen Anurie (keine Harnausscheidung mehr)
  • erhöhte Wasseraufnahme
  • Farbe/“Konsistenz“ des Urins verändert
  • (Unterbauch-)Ödeme
  • Verhaltensauffälligkeiten wie starke Schreckhaftigkeit und Ängstlichkeit 
  • Harngeruch am Körperfell
  • Muskelverspannungen und angelaufene Beine
  • Fellprobleme wie Ekzeme
  • Antriebslosigkeit, Depression, müde und schwerfällig (Harnstoff nicht mehr abtransportiert)

Diagnose: Warum sie oft knifflig ist 


Die Nieren sind der Filter des Körpers. Sie stellen als paarig angelegtes Organ neben Haut, Darm und Leber das wichtigste Entgiftungsorgan im tierischen Organismus dar. Beim Abbau von Eiweißbausteinen werden die Aminosäuren in Stickstoff- und Kohlenstoffanteil zerlegt. Als Endprodukt entsteht körpertoxisches Ammoniak, welches im weiteren Stoffwechselverlauf „unschädlich“ gemacht und zu ausscheidungsfähigem Harnstoff umgewandelt wird. Über das Blut gelangt der Hauptanteil des Harnstoffs von der Leber zur Niere, wird dort aus dem Blut filtriert und über den Urin ausgeschieden. Aufgrund von Filtrationsstörungen werden bei Nierenerkrankungen harnpflichtige Substanzen (Harnstoff, Kreatinin) nur unzureichend ausgeschieden. Zudem kommt es zu Reabsorptionsstörungen von Mikronährstoffen und zur Übersäuerung (Azidose).

Ist die Filterfunktion der Niere eingeschränkt, erhöht sich der Harnstoffgehalt im Blut. Aufgrund körpereigener Kompensationsmechanismen geschieht das allerdings erst, wenn die Nierenschädigung bereits fortgeschritten ist, weshalb sich der Harnstoffgehalt im Urin nur bedingt als Routineparameter eignet. Erhöhte Harnstoffwerte beim Pferd sollten immer kritisch betrachtet werden. Proteinreiches Futter, aber auch Kohlenhydratmangel durch Fasten sowie Infektionen und starke körperliche Beanspruchung und Stoffwechselentgleisungen (z.B. Schilddrüsenüberfunktion, Cushing Syndrom) können gleichermaßen hohe Harnstoffwerte hervorrufen.

Niedrige Harnstoffwerte stehen in Zusammenhang mit erhöhten Leberwerten, da die Leber ihrer Aufgabe im Proteinabbau nicht mehr nachkommen kann. Andererseits können niedrige Harnstoffwerte auch durch Proteinunterversorgung bedingt sein. Kreatinin ist das Abbauprodukt und die Ausscheidungsform von Kreatin, welches als Energiereservoir im Muskel dient. Ist die Nierenfunktion eingeschränkt, wird Kreatinin nicht ausreichend filtriert und mit dem Urin ausgeschieden.

Die Nieren bilden verschiedene Hormone, z.B. das Blutdruck regulierende Renin sowie Erythropoetin, das die Bildung der roten Blutkörperchen steuert. Zu wenig rote Blutkörperchen deuten auf Nierenprobleme hin. Der Wasser- und Elektrolythaushalt des Körpers und damit auch die Harnkonzentration werden über die Nieren gesteuert. Liegen niedrige Natrium-, Chlor- oder Magnesiumwerte oder erhöhte Kalium- und Phosphorkonzentrationen vor, kann das auf eine Nierenschädigung hindeuten. Ist der Elektrolythaushalt nicht mehr im Gleichgewicht, kann sich das negativ auf die Herzfunktion auswirken.

Wenn der Körper mit der Entgiftung harnpflichtiger Stoffe überfordert ist, führt das zu vermehrtem Harnfluss und erhöhtem Wasserbedarf. Bei Wassermangel wird der Harn konzentriert und in geringerer Menge ausgeschieden. Erst wenn etwa 70 % des Nierengewebes geschädigt ist und der Verlust aller Nierenfunktionen droht, können erhöhte Titer harnpflichtiger Substanzen im Blutplasma nachgewiesen werden (Azotämie).

Krankheitsverlauf bei Nierenproblemen

Die chronische Niereninsuffizienz beim Pferd ist ein schleichender Prozess. Sie beginnt mit einer Nierenentzündung (Nephritis), welche bleibende Schäden hinterlassen hat. Das akute Nierenversagen geht oft einher mit schwerwiegenden kolikartigen Symptomen, Durchfall, Kreislaufbeschwerden (Muskelerkrankungen, Blutungen etc.). Bei sofortigen Erstmaßnahmen (Flüssigkeitstherapie!) bestehen gute Heilungschancen. In der Praxis kommt es jedoch als Folge einer Minderdurchblutung oftmals zu irreparablen Schäden beim Tier. 

Ist ein geringer Teil des Nierengewebes zerstört und in seiner Funktion beeinträchtigt, so kann das über einen gewissen Zeitraum vom übrigen, noch intakten Nierengewebe kompensiert werden. Das gesunde Nierengewebe wird aber zunehmend beansprucht, bis es selbst „erschöpft“ ist.

1. Stadium (volle Kompensation): Trotz vorgeschädigter Nieren ist die Konzentration harnpflichtiger Stoffe im Blut ist noch nicht erhöht. 

2. Stadium (kompensierte Retention): Bei fortschreitender Niereninsuffizienz steigen die Werte harnpflichtiger Substanzen über das „Normal“ hinaus an. Es liegen noch keine Vergiftungssymptome (Urämie) vor.

3. Stadium (präterminales Stadium): Die Konzentration harnpflichtiger Stoffe steigt weiter an und die ersten Vergiftungssymptome werden erkennbar.

4. Stadium (terminales Nierenversagen): Die Nieren stellen ihre Filtrationsfunktion vollständig ein. Harnpflichtige Stoffe können nicht mehr nach außen gelangen und der Körper vergiftet sich selbst. In diesem Stadium gibt es keine Therapiemöglichkeit mehr und das Pferd stirbt.

Die Stadien sind nicht eindeutig voneinander abgegrenzt und können fließend ineinander übergehen. Manchmal ist ein Stadium über Jahre hinweg stabil, in anderen Fällen reicht ein Auslöser (z.B. Medikamente), um das System innerhalb kurzer Zeit gänzlich zu kippen.

Warum die Fütterung eine Schlüsselrolle spielt


Bei Nierenproblemen muss ein besonderes Augenmerk auf der Fütterung liegen. Der Proteinanteil sollte reduziert werden. Kohlenhydrate (z.B. Mais) und eiweißarme Fasern (z.B. Rübenschnitzel, Stroh) sowie Öle stellen eine gute Alternative dar. Bei Nierensteinen sollten calciumhaltige Mineralfutter und Luzerne vermieden werden. Die Grundfutterration des Pferdes (Heu/Stroh) enthält in der Regel mehr Calcium als für den Körper notwendig. Das überschüssige Calcium wird über die Nieren abgeführt und kann hier eine zusätzliche Belastung darstellen. Wasserhaltige, feuchte Futtermittel (z.B. Rüben, Mash) können die so wichtige Wasseraufnahme verbessern.

Die Umstellung muss schonend und schrittweise erfolgen. Bei aller Vorsicht um möglichst geringe Proteingehalte im Pferdefutter muss das Augenmerk auf der Art und Qualität der Eiweißquelle liegen, sodass der Körper mit einer ausreichenden Menge an limitierenden Aminosäuren (z.B. Methionin) versorgt wird. Wasser sollte zur freien Aufnahme verfügbar sein.

Die wesentliche Maßnahme ist eine Flüssigkeitstherapie zur Durchspülung der Nieren und zur Förderung der Ausscheidung harnpflichtiger Substanzen. Insbesondere alte Pferde haben häufig Defizite im Wasserhaushalt und einen eingeschränkten Nierenstoffwechsel. Zur Unterstützung können kurweise eine Nierenfunktionsdiät oder spezielle Kräuter zur Anregung der Nierendurchspülung (Diurese) eingesetzt werden. Zur sanften Unterstützung eignen sich Goldrute, Brennessel, Birke oder Löwenzahn. Der Markt bietet Kombinationspräparate mit unterstützenden Heilkräutern und Nährstoffkomponenten als auch Einzelkräuter bzw. Kräutermischungen, die mit Mineralstoffpräparaten ergänzt werden sollten. Eine Entgiftungskur sollte nicht auf eigene Faust durchgeführt, sondern immer durch einen Tierarzt, Tierheilpraktiker oder Ernährungsberater begleitet werden.

Präventive Maßnahmen: Die Nieren unterstützen 

  • Schadstoffe reduzieren: auf einwandfreie Futterqualität achten, Weidepflege, regelmäßige Entwurmung
  • Verdauung unterstützen
  • bedarfsgerechte Futterrationen
  • Langzeitanwendung von Medikamenten möglichst vermeiden
  • Nierenfunktion durch pflanzliche und homöopathische Medikamente unterstützen

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