- Inhaltsverzeichnis:
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- Inhaltsverzeichnis:
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- 1.
- Was ist PSSM?
- Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Hufrehe
- 2.
- PSSM-Symptome erkennen
- 3.
- Erste Hilfe bei einem akuten PSSM-Schub
- 4.
- Nach dem PSSM-Schub – wie geht's weiter?
- 5.
- PSSM-Ursachen und -Risikofaktoren.
- 6.
- Das richtige PSSM-Management
-
Bewegung, Fütterung und Haltung
- Bewegung bei PSSM – mit Vertrauen, Takt und Fingerspitzengefühl
- Die richtige Fütterung bei PSSM
- Das Körpermilieu – innen hängt alles zusammen
- Behalte die großen Akteure im Körper deines Pferdes im Blick
- Haltung & Stress – das unterschätzte Fundament
- 7.
- Fazit: Stärke beginnt im Inneren – und bei dir
Das Pferd, das du kennst – sensibel, leistungsbereit, vertraut, voller Freude – wirkt plötzlich fremd. Es ist zäh, wirkt kraftlos, fast schon unwillig. Die Muskulatur fühlt sich steinhart an. Beim Putzen zuckt es empfindlich zusammen. Und nach dem Training zittert es regelrecht. Du merkst: Irgendetwas stimmt nicht. Aber was?
Du lässt Tierärzte, Physiotherapeuten oder Osteopathen kommen. Sie tasten, untersuchen, behandeln – doch sie finden nicht sofort eine Ursache. Die Befunde: Verspannungen, Muskelverhärtungen, Überforderung. Und nichts davon erklärt, was du täglich mit deinem Pferd erlebst. Bis irgendwann vier Buchstaben fallen, die alles verändern: PSSM - Polysaccharid-Speicher-Myopathie. Der Beginn eines langen, anspruchsvollen Weges
Inhaltsverzeichnis:
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In diesem Ratgeber erfährst du:
- Was hinter der Diagnose PSSM steckt, welche PSSM-Typen es gibt und warum es viel mehr ist als ein Muskelproblem.
- Wie du PSSM sicher erkennst und warum eine frühzeitige Diagnose so wichtig ist.
- Welche ersten Maßnahmen du im Falle eines akuten PSSM-Schubes treffen kannst.
- Welche Ursachen und Risikofaktoren PSSM begünstigen und wie du Haltung, Bewegung und Ernährung deines Pferdes so gestalten kannst, dass es langfristig stabil bleibt.
- Welche wichtige unterstützende Rolle das Körpermilieu, der Säure-Basen-Haushalt sowie Darm und Leber beim Management von PSSM spielen.
Sicher ist: PSSM ist eine genetische Herausforderung, aber keine Sackgasse. Je genauer du weißt, was im Körper deines Pferdes vorgeht und welche Einflussfaktoren den Verlauf von PSSM beeinflussen können, desto gezielter kannst du helfen – und aus einer scheinbar ausweglosen Situation eine Chance machen.
Was zuerst noch nach einem Muskelproblem aussah, ist tatsächlich eine hochkomplexe, auf genetischer Ebene verankerte Stoffwechselerkrankung. Der Körper von PSSM-Pferden kann Energiereserven nicht richtig verwerten. Die Folgen: Muskeln übersäuern, verkrampfen und können dauerhaft Schaden nehmen. Eine schmerzhafte und belastende Situation für dein Pferd, die sich in akuten Schüben drastisch verschärfen kann.
Die Symptome, die du siehst, sind aber nur ein Echo dessen, was tief im Inneren aus dem Gleichgewicht geraten ist: ein fein abgestimmtes System aus Genetik, Stoffwechsel, Ernährung, Körpermilieu und Säure-Basen-Haushalt. Genau das macht PSSM so komplex – doch darin liegt auch deine Chance. Denn wie sehr dein Pferd unter der Krankheit leidet, ist nicht allein im Erbgut festgeschrieben.
Es hängt davon ab, wie du das Umfeld deines Tieres gestaltest. Wie du fütterst. Wie du Stress reduzierst. Wie du das innere Milieu stärkst. PSSM fordert dich heraus, dein Pferd ganzheitlich zu verstehen, und zwar über die Symptome hinaus.
Die verschiedenen Typen und warum es oft kompliziert ist
Wenn du zum ersten Mal mit der Diagnose PSSM konfrontiert wirst, fühlt es sich vielleicht an, als hättest du plötzlich eine Tür zu einer Welt geöffnet, die du lieber nicht betreten wolltest. Denn PSSM klingt komplex, klingt rätselhaft, klingt nach viel Arbeit, Unsicherheit und Sorgen. Umso wichtiger ist es für dich zu verstehen, was hinter PSSM wirklich steckt.
PSSM steht für Polysaccharid-Speicher-Myopathie. Dieser sperrige Begriff beschreibt eine chronische Erkrankung des Muskelstoffwechsels – doch PSSM ist nicht gleich PSSM: Es gibt zwei PSSM-Typen, die zwar ähnliche Symptome hervorrufen, aber unterschiedlich entstehen. Und diesen Typen widmen wir uns nun näher.
1.1
PSSM Typ 1, die Genetik und was im Muskel passiert
Die häufigste und am besten untersuchte Form der Erkrankung nennt sich PSSM Typ 1. Diese ist genetisch bedingt – dein Pferd trägt dabei eine Mutation im sogenannten GYS1-Gen, die du auch per Gentest nachweisen lassen kannst.
Das GYS1-Gen steuert das Enzym Glykogen-Synthase, das du dir wie eine Art Zucker-Verteiler im Muskel vorstellen kannst: Es sorgt dafür, dass überschüssige Energie in Form von Glykogen gespeichert wird – also Zucker, der später als Muskelkraft zur Verfügung stehen soll.
Am häufigsten tritt dieser PSSM-Typ bei Pferden auf, die von Natur aus viel Muskelmasse mitbringen – wie etwa Quarter Horses, Paint Horses, Appaloosas oder kräftige Kaltblüter. Was aber spielt sich bei PSSM Typ 1 im Pferdekörper genau ab? Dazu schauen wir ein paar Ebenen tiefer, und zwar auf die kleinste funktionale Einheit: die Muskelzellen.
Normalerweise läuft es so: Wenn dein Pferd Nahrung aufnimmt, die Kohlenhydrate enthält – beispielsweise Heu, Gras oder Kraftfutter – dann werden diese im Körper zu Glukose – also Zucker – abgebaut. Anschließend gelangt die Glukose ins Blut und schließlich in die Muskelzellen, wo sie von diesen in Glykogen umgewandelt und in den Glykogenspeichern eingelagert werden.
Das gespeicherte Glykogen wirkt wie eine Energiereserve, die dein Pferd bei Bedarf abrufen kann. Glykogen wird wieder in Zucker verwandelt, die Energie wird freigesetzt, die Muskeln arbeiten kraftvoll und flüssig. So sollte es eigentlich sein.
Doch bei PSSM läuft dieser Prozess völlig aus dem Ruder. Der Körper produziert zwar Glykogen – aber in fehlerhafter, unverzweigter Struktur und in übermäßiger Menge. Eigentlich würde die Glykogen-Synthase abschalten, wenn die Speicher voll sind – wie ein Akku-Ladegerät, das bei 100 % stoppt. Bei PSSM Typ 1 bleibt das Enzym allerdings aktiv und stapelt Glykogen auf Glykogen. Der Akku wird immer weiter geladen – und überlädt sich selbst.
Was zunächst nach viel Energie klingt, ist in Wahrheit aber das Gegenteil. Denn das abnorm strukturierte Glykogen, das zwar in großen Mengen vorliegt, kann von der Muskelzelle nicht oder kaum genutzt werden. Die Muskelzelle hat reichlich Energie – aber sie kann sie nicht anzapfen. Im schlechtesten Fall sterben sogar Zellen ab.
Nun steht der Muskel regelrecht unter Hochspannung, bekommt allerdings keinen verwertbaren Nachschub an Energie. Die Folge: Er übersäuert, verkrampft, brennt regelrecht von innen. Was dein Pferd spürt, kannst du von außen deutlich sehen – in Form von Muskelzittern, Zucken, Steifheit, Verhärtungen, Blockaden oder plötzlichem Leistungsabfall. Kein Wunder, dass dein Tier wie ausgewechselt wirkt: müde, gereizt, angespannt, ausgelaugt.
Und mit all dem wird klar, wie tückisch PSSM wirklich ist: Was du außen beobachtest, beginnt tief im Stoffwechsel der Muskelzellen. Bei PSSM Typ 1 zeigt sich das oft plötzlich als direkte Reaktion auf Bewegung oder Belastung. PSSM Typ 2 hingegen verläuft diffuser, schleichender, komplexer – mit Symptomen, die kommen und gehen, sich oft nur schwer greifen lassen – aber nicht weniger real sind. Darum lohnt es sich für dich, auch den zweiten Typ genauer zu betrachten.
1.2
PSSM Typ 2 – komplex, diffus, anders
PSSM Typ 2 sieht auf den ersten Blick aus wie Typ 1 – Muskelzittern. Verspannungen. Leistungsabfall. Doch was hier im Inneren passiert, ist ein völlig anderes Spiel. Während Typ 1 ein Fall von „zu viel, zu blockiert, zu voll“ ist, spielt sich Typ 2 leise und unterschwellig ab.
Statt eines spezifischen Speicherproblems wie bei Typ 1 steckt hinter PSSM Typ 2 eine ganze Gruppe von Muskelstörungen – komplex, unklar, schwer zu greifen. Kein einzelnes betroffenes Gen, keine eindeutige Ursache. Stattdessen subtile Veränderungen in der feinen Architektur der Muskelzellen – mal auf molekularer Ebene, mal direkt im strukturellen Gefüge des Muskels selbst. Auch das sorgt dafür, dass sich das Glykogen im Muskel abnormal verteilt und dieser immer schwächer wird.
Obendrein brauchen PSSM-2-Pferde mehr Eiweiß als gesunde Tiere, weil ihr Körper unter anderem durch den gestörten Muskelstoffwechsel Schwierigkeiten damit hat, die Proteine zu verwerten und die Muskulatur damit zu versorgen. Im Falle von Krankheiten oder Verletzungen kann ein Eiweißmangel daher auch PSSM-2-Schübe auslösen. Denn wenn viel Eiweiß verbraucht, jedoch wenig vom Körper aufgenommen wird, entsteht eine negative Stickstoffbilanz, welche außerdem auch Muskelschwund begünstigt.
Und so verläuft PSSM Typ 2 oft schleichend, fluktuierend und unberechenbar. Symptome kommen und gehen. Mal wirkt dein Pferd leistungsbereit und klar, mal verspannt, unwillig oder nicht bei sich. Es ist ein Zustand, der viele Pferdebesitzer an ihrer Wahrnehmung zweifeln lässt.
Und weil es keinen Gentest gibt, der PSSM 2 glasklar nachweisen könnte, bleibt in vielen Fällen nur die Muskelbiopsie – also die Entnahme und mikroskopische Analyse einer Muskelgewebeprobe. Das Ergebnis ist oft ein gestörtes Faserbild, untypische Einlagerungen oder strukturelle Schäden.
Eine der bekannteren Ausprägungen in dem Zusammenhang ist beispielsweise die Myofibrilläre Myopathie (MFM). Hier mangelt es den Myofibrillen – also den filigranen Fasern, welche die Kraft im Muskel bündeln und weiterleiten – an Stabilität. Sie verlieren ihre Ordnung, ihre Funktion.
Der Muskel zieht sich zwar noch zusammen, allerdings nicht mehr zuverlässig und koordiniert. Die Folgen ähneln denen von PSSM Typ 1: Die Energie ist da, aber sie kommt nicht an. Sie verpufft. Dein Pferd wirkt wacklig, kraftlos – als wäre es nicht verbunden mit sich selbst.
Auch die Muskel-Integritäts-Myopathie (MIM) gehört zu den Erkrankungen, die unter PSSM2 genannt werden. Bei MIM vermutet man ebenfalls einen genetischen Ursprung, allerdings betrifft es hier gleich mehrere Gene. Anders als bei PSSM, wo man eine bestimmte Genmutation klar nachweisen kann, finden sich unter MIM mehrere Subtypen, zum Beispiel P2, P3, P4, P8, Px oder K1.
Bei MIM sitzt das Problem sehr tief – bei den sogenannten schweren Myosinketten. Ohne diese zentralen Eiweißbausteine entsteht keine echte Bewegung. Keine tragende Spannung, kein Schub aus der Hinterhand. Der Muskel reagiert zwar – aber er greift ins Leere.
Sind diese Eiweißketten nun beschädigt, wird die Bewegung zwar noch ausgelöst, doch sie kommt nicht mehr an. Der Muskel kann zwar noch Signale empfangen, aber die eigentliche Bewegung wirkt kraftlos, unkoordiniert oder setzt ganz aus. Für dein Pferd fühlt sich das, als würde es mit angezogener Handbremse galoppieren. Wie wollen, aber nicht können.
Und auch du kannst die Folgen spüren: Viele Pferde mit MIM wirken weich, instabil, nicht ausbalanciert. Nicht unbedingt verspannt, sondern einfach leer. Du erkennst es nicht an einem einzelnen Moment, sondern an der Summe vieler kleiner Dinge: Das Pferd baut keine Muskulatur auf. Die Rittigkeit schwankt. Die Reaktion auf Hilfen ist mal fein, mal träge. Das ist einer dieser Momente, an denen du dir denkst: Das fühlt sich nicht mehr nach meinem Pferd an.
Neben MFM und MIM begegnen dir im Zusammenhang mit PSSM Typ 2 auch immer wieder zwei weitere Begriffe: RER und mitochondriale Dysfunktion. Sie gehören formal zwar nicht zur klassischen PSSM-Diagnose, aber sie zeigen ähnliche Muster: Sie greifen den Muskel auf vergleichbare Weise an. Und sie bringen genau das diffuse Beschwerdebild mit sich, das so schwer zu fassen ist – aber so deutlich zu spüren.
RER, kurz für „Recurrent Exertional Rhabdomylosis“, betrifft vor allem Vollblüter und Pferde mit viel Temperament. Pferde mit Spannung – im Körper wie im Kopf. Bei diesen kommt es wiederholt – also „recurrent“ – nach Bewegung oder emotionalem Stress zu plötzlichen Muskelkrämpfen, Steifheit, starkem Schwitzen oder sogar Kreuzverschlag-ähnlichen Reaktionen. Viele Pferdehalter beschreiben dasselbe Bild: „Mein Pferd läuft los – und friert plötzlich ein.“ oder „Es passiert immer wieder – aber nie an derselben Stelle.“
Es passiert wie aus dem Nichts, aber nicht zufällig – denn es ist das typische Muster: Bei RER reagiert der Muskel nicht auf Strukturdefekte, sondern auf eine gestörte Regulation im Kalziumhaushalt in der Muskelzelle. Das System spannt sich zu schnell auf – und lässt sich nicht mehr lösen. RER ist zwar kein dauerhafter Defekt, aber einer, der immer wiederkehrt, wenn man nicht versteht, was ihn auslöst.
Mitochondriale Dysfunktionen dagegen betreffen nicht die Reizleitung und auch nicht die muskuläre Struktur, sondern die Energieproduktion. Die Mitochondrien – das sind die winzigen Kraftwerke in jeder Muskelzelle – versorgen den Körper mit dem, was ihn am Laufen hält: ATP. Fehlt diese Versorgung, dann fehlt alles.
Pferde mit mitochondrialer Dysfunktion wirken nicht verspannt. Sie scheinen, als wäre ständig der Stecker gezogen. Kein Widerstand, kein Taktfehler – nur Müdigkeit. Auch bauen sie keine Muskulatur auf und regenerieren nur schlecht.
Pferde mit RER oder mitochondrialer Dysfunktion passen oft in kein Raster. Aber gerade deshalb werden diese beiden Krankheitsbilder heute mitgedacht, wenn PSSM Typ 2 vermutet wird. Einfach, weil sie sich ähnlich äußern und anfühlen wie andere Erscheinungen im Zusammenhang mit PSSM 2 – und das Gleiche von dir fordern: Verständnis. Ruhe. Und einen Blick für dein Tier, den kein Labor dieser Welt haben kann.
1.3
Ist PSSM heilbar – oder muss mein Pferd damit leben?
Die ehrliche Antwort auf die Frage lautet: Nein, heilen kann man PSSM nicht. Die genetische Veränderung bei PSSM Typ 1 kannst du nicht rückgängig machen. Aber: Ob sie sich häufig bemerkbar macht oder kaum spürbar bleibt, hängt maßgeblich davon ab, wie du mit dieser Veranlagung umgehst.
Und wie du jetzt weißt, ist PSSM Typ 2 in seiner Ursache nicht eindeutig genetisch erklärbar. Das macht den Umgang oft schwieriger – aber es bedeutet auch: Je besser du das Körpermilieu stabilisierst und die Belastung regulierst, desto größer dein Einfluss darauf, ob und wie stark die Symptome in Erscheinung treten.
Dein Pferd braucht aber weniger ein Heilversprechen als vielmehr ein Umfeld, in dem es mit seiner Veranlagung stabil, leistungsfähig und schmerzfrei leben kann. Und genau das kannst du erreichen: mit konsequenter Fütterung, richtiger Bewegung, gezielter Entsäuerung, durchdachtem Muskelaufbau und einem Blick für das, was dein Pferd wirklich braucht.
1.4
Warum PSSM nicht einfach „nur“ ein Muskelproblem ist
Du weißt jetzt: Was sich nach einer reinen Muskelkrankheit anhört, reicht weit darüber hinaus. Denn ein Muskel steht nie isoliert – er reagiert immer im Zusammenspiel mit dem gesamten Körper. Stoffwechsel, Nervensystem, Darm und Leber, sogar Stress und Psyche wirken ineinander. Genau deshalb reicht es nicht, nur Symptome wie Verspannungen oder Muskelkrämpfe behandeln zu wollen.
PSSM – ob Typ 1 oder Typ 2 – betrifft also nicht einfach nur die Muskulatur, sondern den ganzen Organismus. Je genauer du die Zusammenhänge kennst, desto gezielter kannst du deinem Pferd helfen. Zum einen durch die richtige Fütterung und Bewegung. Zum anderen indem du lernst, die kleinen Signale deines Pferdes frühzeitig zu erkennen und richtig zu interpretieren.
Du siehst: Einfache Standardlösungen gibt es nicht. Was dein Tier braucht ist ein individuell abgestimmtes PSSM-Management, das den Pferdekörper ganzheitlich im Blick hat, das Körpermilieu von innen heraus stabilisiert und den Säure-Basen-Haushalt in Balance hält. Wie genau du das schaffst, welche praktischen Schritte du jetzt gehen kannst, was du vermeiden solltest und mit welchen Sofortmaßnahmen du deinem Pferd helfen kannst, wenn sich ein akuter PSSM-Schub äußert, schauen wir uns im nächsten Kapitel an.
Ein akuter PSSM-Schub kann dein Pferd und dich mitten im Alltag treffen – oft aus scheinbar heiterem Himmel. Eben noch hast du dich auf etwas Bewegung mit deinem Tier gefreut und plötzlich ist es wie ausgewechselt – oder gerät gar in Panik. Ohne jede Vorbereitung fühlst du dich verständlicherweise hilflos und fragst dich, wie du deinem Pferd nun etwas Gutes tun kannst, um dessen Schmerzen und Stress zu lindern. Doch bevor du zur Tat schreitest, solltest du einen akuten PSSM-Schub an seinen Symptomen erkennen können.
2.1
PSSM 1 oder 2? Was Symptome dir verraten und was nicht
Auf den ersten Blick sehen die Symptome bei beiden PSSM-Typen ähnlich aus. Doch der Unterschied liegt im Wie und Wann. PSSM Typ 1 äußert sich wie ein plötzlicher Kurzschluss im Muskel: Die Symptome treten meist während oder direkt nach der Bewegung auf, vor allem nach Ruhephasen.
PSSM Typ 2 dagegen ist wie ein Flackern, das man schwer greifen kann. Die Symptome schleichen sich ein. Dein Pferd läuft heute so, morgen ganz anders. Mal wirkt es träge, mal verspannt, mal einfach nicht ganz bei sich.
Aber Vorsicht: Diese Unterschiede können dir zwar dabei helfen, dich zu orientieren – sie ersetzen aber nicht die genaue Diagnose. Denn bei manchen Pferden verschwimmen die Bilder. Beobachte die Symptome daher aufmerksam.
Außerdem gibt es auch andere Muskelerkrankungen, sodass die folgenden Symptome nicht zwangsläufig PSSM bedeuten. Stelle dein Pferd immer einem erfahrenen Tierarzt vor und lasse es ganzheitlich untersuchen, um andere Ursachen ausschließen zu können.
2.2
Bei diesen Anzeichen ist dein Handeln gefragt:
- Hart verspannte Muskulatur, oft ander Kruppe, im Rücken oder in den Oberschenkeln. Die Muskeln fühlen sich geradezu versteinert an. Diese Verspannungen können bis zum Kreuzverschlag führen.
- Steifer, klammer Gang – dein Pferd bewegt sich extrem vorsichtig und angespannt, als würde es auf Eiern laufen.
- Massive Bewegungsunlust und Lahmheiten – dein Pferd weigert sich nahezu, sich weiter zu bewegen oder vorwärtszutreten.
- Muskelzittern und -krämpfe, oft deutlich sichtbar in Kruppe oder Hinterhand.
- Übermäßiges, plötzliches Schwitzen, obwohl den Pferd nicht körperlich belastet wurde oder es draußen gar nicht heiß ist.
- Apathisches Verhalten oder plötzliche Unruhe – dein Pferd wirkt entweder erstarrt, auffällig nervös und gereizt oder verhält sich explosiv.
- Lokaler Muskelschwund, den du unter anderem an Dellen in der Muskulatur erkennen kannst.
- Erhöhte Atem- und Pulsfrequenz, verbunden mit einem angespannten Gesichtsausdruck, weit geöffneten Augen und erweiterten Nüstern.
- Eine Körperhaltung, als wolle das Pferd Harn absetzen – es nimmt, ähnlich wie bei der Hufrehe, im Extremfall die Sägebockstellung ein und spreizt seine Beine nach außen ab.
- Verfärbter Urin – dunkler, bräunlicher, nahezu colafarbener Urin deutet auf starken Muskelabbau hin, ähnlich wie beim Kreuzverschlag. Dies kommt vom Muskelfarbstoff Myoglobin, der beim Absterben von Muskelzellen frei wird. Ein deutliches Anzeichen für einen schweren Verlauf.
Was du ebenfalls wissen solltest: Nicht alle diese Symptome müssen gleichzeitig auftreten. Es gibt Pferde, die zunächst nur einzelne, leichte Anzeichen zeigen – etwa einen steifen Gang, leichte Verspannungen oder etwas stärkeres Schwitzen. Solche einzelnen Symptome können oft frühe Warnzeichen sein.
Treten jedoch mehrere dieser Symptome gleichzeitig auf, zeigt dein Pferd deutliche Schmerzen oder verhält es sich auffällig panisch, angespannt und blockiert, dann ist das ein Hinweis auf einen schweren, akuten Schub. Stelle dann sofort jede Art von Belastung ein und ziehe umgehend einen Tierarzt hinzu.
- Verständige den Tierarzt:
Gerade bei schweren Symptomen wie heftigen Krämpfen, Zittern, Schmerzen oder verfärbtem Urin solltest du einen Experten hinzuziehen, um weitere Schäden zu verhindern oder andere Erkrankungen auszuschließen. - Stelle die Bewegung ein:
Jede weitere Belastung kann die Beschwerden massiv verschärfen. Brich also jegliches Training unverzüglich ab, bringe dein Pferd behutsam in seine Box oder einen ruhigen, vertrauten Paddock. - Minimiere alle Stressfaktoren:
Sorge für eine ruhige Atmosphäre: kein Lärm, keine Hektik, keine neuen Reize. Vor allem: Bleibe selbst ruhig, denn dein Pferd spürt auch deinen Stress unmittelbar. Rede mit sanfter Stimme und sei jetzt der ruhende Pol. - Vermeide nasse Kälte oder Zugluft:
Beides kann Muskelkrämpfe verstärken. Verwende daher zum Eindecken eine leichte Abschwitzdecke, um die Muskulatur warm, aber nicht zu heiß zu halten. - Stelle ausreichend Flüssigkeit bereit:
Dein Pferd muss gerade jetzt ausreichend trinken. Denn bei starkem Schwitzen oder Muskelanspannung verliert es nicht nur Flüssigkeit, sondern auch wichtige Elektrolyte. Biete deinem Tier daher frisches, nicht zu kaltes Wasser an, denn Flüssigkeit hilft auch, die Übersäuerung im Muskel zu verringern.
Der Schub ist vorbei. Dein Pferd steht wieder ruhig, die Muskeln entspannen sich langsam, das Zittern hört auf. Erleichterung. Doch genau jetzt beginnt der Teil, der den Unterschied macht – zwischen „es war halt mal schlimm“ und „wir verändern jetzt etwas grundlegend“.
Denn wie du jetzt weißt, ist ein akuter PSSM-Schub ein Warnsignal dafür, dass etwas im Körper deines Pferdes aus dem Gleichgewicht geraten ist – im Stoffwechsel, im Körpermilieu, im Säure-Basen-Haushalt, im Alltag. Jetzt geht es nicht mehr um akute Notfallhilfe, sondern um Regeneration, Stabilisierung – und um die ersten kleinen Entscheidungen, die langfristig Großes bewirken können.
4.1
Während der ersten Tage
Beobachten, beruhigen, behutsam bewegen
Gib deinem Pferd Zeit. Kein Training, keine intensiven Ritte, keine Anstrengung – dafür aber sanfte, geführte Bewegung an der Hand. So viel, wie es freiwillig mitmacht. Nicht damit du es wieder „in Gang bringen“ kannst, sondern um seine Durchblutung zu fördern, seine Muskulatur zu lockern und dem Körper zu helfen, all das abzubauen, was sich angestaut hat.
Beobachte dein Pferd dabei genau: Wie sieht seine Körpersprache aus? Wann zeigt es wieder Freude an Bewegung? Wie reagiert es auf Futter, Wetterumschwung oder potenziellen Stress? Bleibt die Muskulatur weich? Melden sich die Symptome zurück?
Auch hilfreich: ein einfaches Symptomtagebuch. Wann genau trat der Schub auf? Was wurde zuvor gefüttert? Gab es etwas, das anders war als sonst? Alles, was du aufschreibst hilft dir dabei, Muster zu erkennen, früh gegenzusteuern und genauer mit dem Tierarzt zu kommunizieren.
4.2
Falls noch nicht geschehen
Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt für den PSSM-Test
Vielleicht hast du PSSM bisher nur vermutet. Vielleicht wurde dein Pferd schon „behandelt“, aber ohne klare Diagnose. Der jüngste PSSM-Schub war ein deutliches Zeichen – und genau jetzt ist der richtige Moment, um Klarheit zu schaffen.
Ein Gentest auf PSSM Typ 1 ist schnell gemacht: Eine Haarwurzel- oder Blutprobe reicht aus, und du weißt, ob dein Pferd die GYS1-Mutation in sich trägt – oder nicht. Das schafft Sicherheit. Und verhindert, dass du im Dunkeln weiter herumprobierst.
Wenn der Test negativ ausfällt – aber dein Pferd weiter typische Symptome zeigt –, solltest du auch PSSM Typ 2 oder eine andere Form der Myopathie im Blick behalten. In diesem Fall kann dir eine Muskelbiopsie Klarheit verschaffen. Oder eine gezielte Ausschlussdiagnostik durch deinen Tierarzt oder Therapeuten.
Wichtig: Ein Test ersetzt nie deinen Blick fürs Ganze. Aber er hilft dir, die nächsten Schritte gezielter zu wählen – statt ständig im „Vielleicht“ zu hängen.
4.3
Übersäuerung nach dem Schub bedenken
Das, was du bei einem PSSM-Schub äußerlich siehst – Zittern, Steifheit, Krämpfe, Unruhe – ist innen oft ein biochemischer Ausnahmezustand. Denn mit dem Schub geht fast immer auch eine massive Übersäuerung des Körpers und des inneren Milieus einher.
Diese Säuren entstehen nicht allein durch die Muskelarbeit, sondern vor allem durch den erhöhten Zellstress, die schmerzbedingte Stressantwort und einen Stoffwechsel, der in der Überforderung feststeckt. Ein regelrechter Negativkreislauf.
Normalerweise hat der Pferdekörper ausgeklügelte Puffermechanismen: Überschüssige Säuren werden über das Blut, die Nieren und die Atmung abgefangen.
Doch bei einem akuten Schub ist diese Kapazität schnell erschöpft. Was der Körper nicht mehr regulieren kann, lagert er im Gewebe ab – vor allem im ohnehin schon überlasteten Muskel. Und dort beginnt das eigentliche Problem.
Ist das Zellmilieu dauerhaft übersäuert, hat das konkrete Folgen:
- Der Muskel verhärtet und wird unflexibel.
- Zellkommunikation und Regeneration werden gestört.
- Der Körper kann wichtige Mineralstoffe wie Magnesium, Zink und Calcium schlechter aufnehmen – ihre Bioverfügbarkeit ist vom pH-Wert abhängig.
- Enzyme, Hormone und Botenstoffe arbeiten nicht mehr präzise – was sich auf Immunsystem, Muskelfunktion und sogar die Psyche deines Pferdes auswirken kann.
- Die Mitochondrien, also die Energiekraftwerke in den Zellen, werden in ihrer Funktion gehemmt – die Energieproduktion stockt.
- Der Elektrolythaushalt gerät aus dem Takt – was Muskelkrämpfe und schwache Regeneration begünstigt.
Wenn du den Säure-Basen-Haushalt nicht aktiv regulierst, steckt der Stoffwechsel deines Pferdes im Notfallmodus fest. Gerade PSSM-Pferde mit empfindlichem Muskelstoffwechsel oder gestörter Zellfunktion reagieren besonders sensibel auf eine dauerhafte Milieuverschiebung. Damit ist der nächste Schub oft nur eine Frage der Zeit.
Viele Pferdebesitzer fragen sich: „Warum ausgerechnet mein Pferd?“ oder „Was habe ich falsch gemacht?“ Beides verständliche Fragen, die dir bestimmt auch durch den Kopf gegangen sind. Doch bei PSSM kommt vieles zusammen – und längst nicht alles liegt in deiner Hand. Aber mehr, als du vielleicht glaubst.
Denn ob dein Pferd tatsächlich Symptome zeigt – und wie schwer diese ausfallen – , hängt ganz wesentlich von verschiedenen Umwelteinflüssen und Risikofaktoren ab. Was du hingegen wissen musst: Jedes Pferd hat seine eigene Sollbruchstelle. Bei dem einen liegt sie im Muskel selbst, bei anderen in der Verdauung, im Verhalten oder in der Belastbarkeit.
PSSM bringt zwar die Genetik ins Spiel – doch welche Systeme letztendlich unter Druck geraten, hängt also davon ab, wo dein Pferd am empfindlichsten reagiert. Gerade deshalb ist es für dich so wichtig, das Körpermilieu als Ganzes zu stärken und den Säure-Basen-Haushalt in Balance zu bringen.
Was also sind die Ursachen von PSSM? Was treibt dein Pferd in einen akuten Schub? Oder besser gefragt: Welche Faktoren führen dazu, dass aus einer genetischen Veranlagung plötzlich schmerzhafte Realität wird?
5.1
PSSM und Genetik
Die genetische Veranlagung – insbesondere bei PSSM Typ 1 – ist angeboren und unveränderlich. Das bedeutet: Dein Pferd bleibt stets anfällig. Dennoch entscheidet die Genetik allein nicht zwangsläufig darüber, ob dein Pferd PSSM-Symptome zeigt oder nicht.
Viele Pferdebesitzer gehen davon aus, dass eine genetische Erkrankung sich schon früh zeigen müsste – doch das trifft auf PSSM Typ 1 nicht zwangsläufig zu. Oft verläuft die Krankheit über Jahre unbemerkt. Gerade bei jungen Pferden, die nur leicht gearbeitet werden, zeigt sich häufig noch kein auffälliges Beschwerdebild.
Erst mit zunehmendem Alter, höherer Belastung oder einer ungünstigen Kombination aus Fütterung, Stress und verschobenem Körpermilieu treten erste Symptome auf – manchmal sind die Pferde dann bereits acht, neun oder zehn Jahre alt.
Das erklärt aber auch, warum PSSM so häufig übersehen oder fehlgedeutet wird: Weil sich das, was innen längst im Ungleichgewicht ist, anfangs kaum zeigt. Umso wichtiger ist es für dich, frühzeitig hinzuschauen – und nicht erst zu reagieren, wenn der erste Schub bereits da ist.
5.2
Die Epigenetik und dein Einfluss auf den Verlauf von PSSM
Wie eben schon angesprochen, hängt es stark vom Umfeld ab, wie stark die genetische Veranlagung tatsächlich zum Tragen kommt. Und genau das beschreibt die sogenannte Epigenetik. Mit der Epigenetik ist es wie mit einer riesigen Bibliothek: Die genetischen Anlagen sind die Bücherregale. Doch es sind erst die epigenetischen Faktoren – also Umweltfaktoren wie Ernährung, Bewegung, Stress und Stoffwechselpflege – , die darüber entscheiden, welches Buch aufgeschlagen wird.
Bei einem Pferd mit PSSM heißt das: Du kannst das Regal zwar nicht austauschen, aber du hast einen Einfluss darauf, welches Buch und welche Kapitel überhaupt gelesen werden.
Das erklärt unter anderem, warum nicht jedes Pferd, das eine genetische PSSM-Veranlagung hat, automatisch Symptome entwickelt. Manche Pferde bleiben ein Leben lang unauffällig. Andere wiederum zeigen bereits bei kleinster Belastung deutliche Anzeichen. Etwa dann, wenn ihr Körpermilieu und Säure-Basen-Haushalt durch Stress, Fütterungsfehler oder Bewegungsmangel aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Dieses Körpermilieu und den Säure-Basen-Haushalt kannst du beeinflussen. Jeden Tag. Und zwar mit vielen kleinen Entscheidungen, die große Auswirkungen haben:
- Welche Nährstoffe du gibst
- Wie viel Bewegung du ermöglichst
- Wie du Stress reduzierst
- Wie du die Leber entlastest, den Darm stabilisierst, die Zellen entsäuerst und das Pferd im Alltag begleitest
Alles, was du tun musst: zu lernen, wie du deinen Einfluss auf die Genaktivität, den Zellstoffwechsel und die Stabilität deines Pferdes nutzen kannst.
Und wie ist das bei PSSM Typ 2? Hier lassen sich ja schließlich (noch) keine einzelnen Genmutationen als Quelle allen Übels sicher nachweisen. Denn die Ursachen sind deutlich komplexer und reichen von strukturellen Defekten im Muskelgewebe über Störungen in der Energieversorgung bis hin zur eingeschränkten Regeneration nach Belastung.
Ja, die Genetik spielt zwar auch bei PSSM 2 eine Rolle – aber nicht die Hauptrolle. Und während Typ 2 deutlich unberechenbarer in der Ausprägung ist, ist der Verlauf auch umso abhängiger von deinem täglichen PSSM-Management.
Du siehst also: Ob Typ 1 oder Typ 2 – PSSM entsteht nicht durch Pech, sondern durch das Zusammenspiel der Veranlagung deines Pferdes und den Lebensumständen, die du ihm bietest.
5.3
Was löst einen PSSM-Schub aus?
Ein akuter Schub kommt selten aus dem Nichts. Meist hat er eine Vorgeschichte – auch wenn sie im ersten Moment vielleicht unsichtbar bleibt. Ein PSSM-Schub ist jedoch in der Regel das Ergebnis einer länger schwelenden Überforderung im Inneren. Was aber bringt das System zum Kippen?
PSSM-Schübe entstehen dann, wenn der Körper deines Pferdes nicht mehr ausgleichen kann, was sich über Tage, Wochen oder manchmal auch nur Stunden aufgebaut hat.
Typische Auslöser sind:
- Fütterungsfehler – zu viel Zucker, zu viel Stärke, zu schnelle Futterwechsel
- Kälte oder Nässe – besonders in Kombination mit Bewegungsmangel
- Emotionale Auslöser – wie Transport, Stallwechsel, Stress in der Herde, frustrierende oder reizarme Haltungsbedingungen
- Trainingsfehler – zu intensive Arbeit nach Pause, zu wenig Aufwärmen, monotones Training
- Zu wenig Bewegung im Alltag – zum Beispiel reine Boxenhaltung, fehlender Auslauf oder ungenügende Muskelaktivierung
- Infekte, Impfreaktionen oder andere Belastungen, die das Immunsystem schwächen
- Medikamenten-Overload – zum Beispiel wiederholte Schmerzmittelgaben, Wurmkuren oder Sedierungen, die Leber und Nieren überfordern
- Ein gestörter Säure-Basen-Haushalt, der den Muskelstoffwechsel zusätzlich blockiert
Was viele unterschätzen: Nicht nur offensichtliche Fehltritte führen zum PSSM-Schub. Manchmal reicht schon eine Kleinigkeit – ein überfordernder Reiz, ein unausgeglichenes Milieu, ein ungünstiger Wetterumschwung –, und dein Pferd kippt aus der Balance. Je sensibler du für diese Wechselwirkungen wirst, desto früher kannst du gegensteuern – und desto seltener wird dein Pferd an diesen Punkt kommen.
Bewegung, Fütterung und Haltung
Viele Pferdebesitzer suchen nach der einen richtigen Behandlung für PSSM. Doch was sie meist meinen, ist etwas anderes: einen Weg, ihr Pferd trotz PSSM langfristig stabil zu halten. Denn PSSM ist keine Krankheit, die du einfach „wegtherapieren“ kannst – sie wird dein Pferd und dich ein Leben lang begleiten. Und darum brauchst du auch eine langfristig durchdachte Strategie.
PSSM zu managen bedeutet: Symptome lindern, Rückfälle vermeiden, Stabilität aufbauen – und das auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Mit der richtigen Fütterung. Der passenden Bewegung. Und einer Pflege, die nicht nur Muskeln, sondern auch Körpermilieu, die Entgiftungsorgane, den Säure-Basen-Haushalt und Stoffwechsel unterstützt.
Sicher erkennst du schon den Unterschied: Eine klassische Behandlung setzt bei den Beschwerden an, bekämpft Symptome. Doch ein gutes PSSM-Management geht tiefer. Es fragt: Warum ist der Körper aus dem Gleichgewicht geraten? Was muss sich verändern, damit dein Pferd wieder ins Lot kommt – von innen heraus?
In diesem Kapitel erfährst du, welche Maßnahmen im Alltag wirklich Wirkung entfalten. Was du sofort umsetzen kannst. Und wie du dein Pferd dabei begleitest, Schritt für Schritt – und mit Verantwortung, die Freude macht.
Bewegung bei PSSM – mit Vertrauen, Takt und Fingerspitzengefühl
Wenn du hörst, dass PSSM-Pferde auf Belastung empfindlich reagieren, denkst du vielleicht: „Dann besser gar nicht bewegen – ich will ja nichts verschlimmern.“ Doch genau das ist ein Irrtum. Denn die Bewegung an sich ist bei PSSM nicht das Problem, sondern tatsächlich Teil der Lösung.
Manch Pferdehalter mag dazu neigen, das Pferd nach einem Schub in Watte packen zu wollen – aus Sorge, etwas falsch zu machen. Aus Rücksicht. Aus Angst. Das ist verständlich – aber gefährlich. Denn zu wenig Bewegung ist auf Dauer genauso belastend wie zu viel. Der Stoffwechsel deines Pferdes braucht Reize, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
[Zum Inhaltsverzeichnis]
Aber woher weiß ich, ob Bewegung gerade gut ist?
Du kennst dein Pferd. Vertraue auf dein Gefühl. Denn dein Pferd zeigt dir in der Regel sehr deutlich, ob ihm Bewegung gerade guttut – oder ob es lieber noch etwas Ruhe braucht. Stell dir vor jeder Bewegungseinheit also ein paar einfache Fragen:
Stell dir vor jeder Bewegungseinheit also ein paar einfache Fragen:
- Ist mein Pferd ruhig, aufmerksam und offen für Kontakt?
- Bewegt es sich in der Box oder auf dem Paddock von selbst?
- Sind Muskelverhärtungen deutlich zurückgegangen?
- Zeigt es nach dem Führen oder Spazieren positive Veränderungen – z. B. weichere Muskulatur, mehr Entspannung, besseren Appetit?
Wenn du mindestens zwei dieser Fragen mit „Ja“ beantworten kannst, spricht nichts dagegen, mit sanfter Bewegung zu beginnen – geführt, klar strukturiert, ohne Zwang.
Und andersherum:
- Zieht sich dein Pferd zurück?
- Zittert oder lahmt es deutlich?
- Fühlt sich die Muskulatur verhärtet, heiß oder schmerzhaft an?
Wenn dein Pferd deutliche Anzeichen von Schmerz, Erschöpfung oder muskulärer Überforderung zeigt, dann darf und soll es auch mal Pause machen. Nicht als Rückzug in Watte, sondern als bewusste Entscheidung: gezielte Erholung statt unbedachte Belastung.
Manchmal reichen 12 Stunden, manchmal zwei Tage. Wichtig ist, dass du dabei bleibst, beobachtest, neu bewertest. Bewegungsmanagement heißt nicht: jeden Tag mehr machen. Es heißt: jeden Tag besser verstehen, was möglich ist – und was nicht.
Die Bewegung gut und richtig dosieren
Wenn dein Pferd gerade einen Schub hinter sich hat, braucht es keine Runden auf dem Reitplatz. Es braucht Durchblutung, Lockerung, Rhythmus – in einer Form, die sein Muskelstoffwechsel verarbeiten kann.
Nach einem Schub möglichst schnell wieder „zurück zur Normalität“ zu wollen, ist der falsche Maßstab. Statt Trainingsdisziplin sind jetzt Körpergefühl und ein Bewegungsalltag mit Struktur gefragt.
Fang klein an – mit regelmäßigen Führ-Runden, vielleicht 10 bis 20 Minuten am Tag. Beobachte dein Pferd dabei:
- Wirkt der Schritt flüssig?
- Bleibt die Muskulatur weich?
- Zeigt dein Pferd Freude an der Bewegung?
Wenn ja: weitermachen. Wenn nein: Tempo raus, Druck raus – aber nicht stoppen. Merke: Schonendes Weitermachen ist oft besser als völliger Rückzug.
Beginne mit dieser geführt-schrittweisen Bewegung an der Hand auf weichem Untergrund, und nimm dir für dein Pferd genügend Zeit. Später kannst du über leichte Bodenarbeit, Spaziergänge bergauf oder Cavaletti nachdenken – aber immer im Dialog mit dem Pferd.
Wie du jetzt weißt, entstehen viele PSSM-Symptome gerade durch das Nicht-Bewegen. Verhärtete Muskulatur, verminderte Durchblutung, angestaute Stoffwechselreste – all das kannst du durch klug dosierte Aktivität verbessern.
PSSM und Bewegung: Regelmäßigkeit schlägt Intensität
Für PSSM-Pferde ist Regelmäßigkeit wichtiger als Dauer oder Tempo. Sprich: Besser kurze Bewegungseinheiten als lange Trainingstage mit Pausen dazwischen. Warum? Weil du mit konstanter, sanfter Aktivität auch das innere Milieu deines Pferdes unterstützt.
Du hilfst dem Körper, überschüssige Säuren über Atmung und Stoffwechsel abzubauen – und das ist gerade bei PSSM besonders wichtig. Denn ein gestörter Säure-Basen-Haushalt kann die Zellfunktion behindern, den Muskel weiter verhärten und die Regeneration verzögern.
Da wirkt Bewegung wie ein natürlicher Regler: Sie bringt den Kreislauf in Schwung, entlastet das Gewebe und fördert die Entsäuerung über Schweiß, Lunge und Lymphe. Je gleichmäßiger du den Körper deines Pferdes in Bewegung hältst, desto besser kann er also sein Gleichgewicht wiederfinden – von außen wie von innen.
Und wenn dein Pferd nach einigen Tagen sanfter Führarbeit wieder lockerer läuft, die Muskulatur weich bleibt und das Bewegungsbild stabil wirkt, kannst du schrittweise aufbauen. Ab dann gilt: Bewegung bleibt wichtig – aber sie braucht Vorbereitung.
Denn PSSM-Muskulatur ist nicht spontan belastbar. Bevor du also ans Reiten oder gezielte Bodenarbeit denkst, beginnt jede Einheit mit gründlichem Aufwärmen. Warum das so wichtig ist, schauen wir uns jetzt an.
Aufwärmen – Pflicht, nicht Kür
PSSM-Muskulatur ist fast ein wenig wie kalter Knetgummi. Ohne ausreichendes Aufwärmen riskierst du, genau das zu provozieren, was du eigentlich verhindern willst – Krämpfe, Blockaden oder einen erneuten Schub.
Deshalb: Beginne jede Bewegungseinheit mit mindestens 15 Minuten lockerem Schritt, idealerweise an der Hand oder im ruhigen Führtempo. Gib deinem Pferd Zeit, sich zu sortieren. Erst wenn der Takt stimmt und die Muskulatur weich schwingt, kannst du behutsam weiterdenken – nicht vorher.
Was du in dieser Phase unbedingt vermeiden solltest:
- Enge Wendungen
- Plötzliches Antraben
- Tiefe Haltungen gleich zu Beginn
- Lange Stehzeiten nach der Arbeit ohne Auslaufen
Was stattdessen hilft:
- Sanfte Übergänge – zum Beispiel vom Schritt ins Stehen und wieder zurück
- Seitengänge mit lösender Wirkung, etwa Schulterherein oder Schenkelweichen – kurz, weich, ohne Druck
- Rückwärtsrichten in kleinen Etappen, um die Hinterhand gezielt zu aktivieren und die Koordination zu fördern
- Locker auslaufen nach der Arbeit – 5 bis 10 Minuten Schritt an der Hand oder im leichten Führtempo helfen dem Stoffwechsel, Spannungen abzubauen und den Muskel weich zu halten.
Das klingt für dich nach Reitunterricht? Ist aber PSSM-Management auf Zellebene. Denn wenn du dein Pferd so vorbereitest, schaffst du nicht nur muskuläre, sondern auch stoffwechselphysiologische Sicherheit. Du gibst dem Körper die Chance, wieder in Balance zu kommen – bevor ihn ein nächster Schub aus dem Takt bringen kann.
Wenn dein Pferd stabil läuft und keine akuten Symptome mehr zeigt, beginnt der nächste wichtige Schritt: Normalität – und zwar damit, Bewegung in den Alltag zu integrieren. Bewusst und durchdacht.
Langfristige Bewegung bei PSSM – der neue Alltag
Wenn du weißt, wie empfindlich der Muskelstoffwechsel bei PSSM reagiert, denkst du vielleicht: „Dann muss ich mein Pferd wohl jeden Tag trainieren, damit es stabil bleibt.“ Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn nicht die Menge macht den Unterschied – sondern das Zusammenspiel aus Haltung, Alltagsstruktur, Erholung und gezielten Impulsen. PSSM-Pferde brauchen keine Dauerbelastung – sie brauchen ein Bewegungsumfeld, das zu ihnen passt.
Bewegung und Haltung sind miteinander verknüpft
Ob dein Pferd in der Box steht, im Offenstall lebt oder einen Paddocktrail zur Verfügung hat, macht einen gewaltigen Unterschied. Ein Pferd in einer Aktivherde bewegt sich oft freiwillig mehrere Kilometer am Tag – im Schritt, mit Richtungswechseln, mit Kontakt zur Herde. Das ist echte Basismedizin für den Stoffwechsel.
Wenn dein Pferd dagegen viele Stunden am Tag in der Box steht oder auf einem kleinen Paddock nur passiv herumdöst, fehlt diese natürliche Bewegung. Dann braucht es dich – als Ausgleich, als Strukturgeber, als Trainingspartner.
Bewegung ist also keine Frage des Pflichtgefühls, sondern des gesamten Alltagskonzepts. Frage dich deshalb nicht: „Wie oft muss ich arbeiten?“ sondern: „Wie bewegt sich mein Pferd über den Tag verteilt – und was fehlt ihm noch?“
Struktur statt Stress
Jeden Tag Reitplatz, Schweiß, Lektionen – das hat nichts mit einem langfristigen Bewegungskonzept zu tun. Was dein Pferd braucht, ist auch hier: Regelmäßigkeit, Durchblutung, Milieupflege. Ein Pferd, das sich täglich moderat bewegt, bekommt eher Stoffwechselstabilität als eines, das unregelmäßig und intensiv belastet wird.
Wie kann ein guter Bewegungsalltag aussehen?
- Ein strukturierter Spaziergang mit gezielten Führübungen
- Eine ruhige Einheit am Hang oder im Gelände mit klarer Pausenstruktur
- Leichte Bodenarbeit
- Eine Runde in der Führmaschine oder auf dem Longierzirkel – aber bitte in gutem Takt und auf weichem Boden
Du musst nicht täglich trainieren – aber dein Pferd sollte sich täglich bewegen können. Und wenn dein Pferd in einer Herde lebt, in der es sich freiwillig viel bewegt, braucht es unter Umständen weniger Extra-Bewegungseinheiten. Hier sind Pausentage wertvoll – gerade nach stärkeren Reizen.
Regelmäßige Pausen
Es ist wie bei uns Menschen: Der Muskelaufbau passiert nicht während der Arbeit – sondern in der Regeneration. Gerade PSSM-Pferde mit empfindlicher Muskulatur brauchen nach jedem Reiz daher auch die Chance, ihn zu verarbeiten.
Plane Erholung bewusst ein und betrachte Pausen nicht als Rückschritt, denn sie sind ein wichtiger Teil der Entwicklung. Wähle außerdem Belastungen, die dein Pferd zwar fordern, aber nicht überfordern. Bringe auch etwas Abwechslung in die Einheiten: mal führen, mal reiten, mal bergauf arbeiten, mal entspannen.
Ein „zu viel“ erkennst du nicht nur am Muskelzittern, manchmal zeigt es sich erst Tage später – am Verhalten, an der Muskulatur, am Appetit. Und gerade deshalb ist dein genauer Blick und dein Gespür dafür so wichtig, wann es gut läuft und wann du besser langsamer machst.
Bewegungsverständnis statt Hochleistungsprogramm
Du weißt jetzt: Es ist nicht die Intensität, die dein Pferd voranbringt – sondern der Rhythmus. Regelmäßige Bewegung, gut dosiert, klar strukturiert, mit Raum zur Regeneration. Genau das verleiht einem PSSM-Pferd die Stabilität, die es braucht.
Viele Pferde kehren mit einem durchdachten Management sogar in den Turniersport zurück. Nicht, weil sie trainiert wurden wie früher – sondern weil sie nachhaltig begleitet wurden: mit Fingerspitzengefühl, Geduld und einem echten Verständnis für ihren Körper.
Und genau das ist jetzt deine Aufgabe: Bewegung zu ermöglichen, die zu deinem Pferd passt. Kein Schema F, dafür aber ein Alltag, der trägt – ohne zu überfordern. Wie du diesen Bewegungsalltag nun gezielt nutzen kannst, um die Muskulatur deines Pferdes aufzubauen und langfristig zu stärken, erfährst du im nächsten Abschnitt.
Muskelaufbau bei PSSM
Was bei gesunden Pferden in puncto Muskelaufbau über normales Training und Fütterung funktioniert, ist bei PSSM-Pferden komplizierter. Der Stoffwechsel läuft anders. Die Muskulatur reagiert sensibler. Und der Weg zur Kraft ist oft langsamer.
PSSM-Pferde bauen nicht leicht Muskelmasse auf – sie müssen lernen, mit ihrer Energie hauszuhalten, sie sauber umzusetzen und die Muskulatur nicht zu überfordern. Beim Muskelaufbau bei PSSM-Pferden stehen daher die funktionale Stärke und Stabilität im Mittelpunkt – keine Muskelberge.
Die folgenden Übungen helfen deinem Pferd beim Muskelaufbau – weil sie sowohl etwas Kraft fordern als auch Feinsteuerung, Balance und Körperspannung fördern. Und genau das sind die Bausteine, mit denen der Muskelstoffwechsel bei PSSM-Pferden arbeiten kann.
- Spaziergänge im hügeligen Gelände: Schon sanfte Steigungen aktivieren die Hinterhand und fördern den natürlichen Schub. Dabei arbeitet die Muskulatur rhythmisch und gleichmäßig – das unterstützt die Durchblutung und regt die Energieversorgung an.
- Tempowechsel an der Hand: Schritt – Halt – Schritt. Klingt simpel, wirkt aber tief. Dein Pferd lernt, sein Gewicht bewusst zu verlagern, und stärkt dabei seine tragenden Strukturen. Zudem verbessern diese Wechsel die Reaktionsfähigkeit und das Gespür deines Pferdes für seinen eigenen Körper.
- Cavaletti im Schritt: Das Anheben der Beine über die Stangen löst Verspannungen, aktiviert die Bauchmuskulatur und sorgt für mehr Flexibilität im Rücken. Gerade bei PSSM-Typ-2-Pferden, die zu Muskelsteifheit neigen, ist das eine sanfte Art, das Gewebe in Bewegung zu bringen.
- Schulterherein und Schenkelweichen: Diese Seitengänge fördern die Losgelassenheit, machen dein Pferd geschmeidiger in der Biegung und stärken seine diagonale Koordination. Durch das gezielte Ansteuern einzelner Muskelketten wird nicht Kraft draufgepackt, sondern funktionale Stabilität aufgebaut.
- Rückwärtsrichten in kleinen Etappen: Mit dieser Übung aktivierst du die Hinterhand, stärkst das Becken und die Lendenpartie und hilfst deinem Pferd, Last aufzunehmen. Ideal für PSSM-Pferde, die häufig Schwierigkeiten haben, „von hinten zu schieben“.
Und auch bei diesen Übungen gilt: Die Dosis macht's. Zwei saubere Tritte im Rückwärtsrichten bringen mehr als zehn mit Widerstand. Achte auf Mimik, Takt und Spannung. Je weicher dein Pferd sich bewegt, desto tiefer wirkt die Übung – bis in die Zellebene.
Mit der Zeit wirst du spüren: Die Bewegungen werden geschmeidiger. Der Rücken trägt. Die Muskulatur schwingt. Und: Hier entsteht kein Muskel „auf Vorrat“, sondern eine neue Verbindung zwischen Kraft, Stoffwechsel und Balance.
Und was füttert diesen Aufbau? So wie der Muskelaufbau bei PSSM-Pferden andere Wege geht, brauchst du auch in der Fütterung andere Antworten. Denn der Körper kann nur das aufbauen, was er auch verwerten kann – und gerade da liegt bei PSSM ja die Schwierigkeit. Was also gehört wirklich in den Trog? Das erfährst du im nächsten Abschnitt.
Die richtige Fütterung bei PSSM
Die Fütterung ist bei PSSM ein ganz zentrales Steuerinstrument für dich. Denn mit jeder Mahlzeit gibst du deinem Pferd nicht nur Energie, sondern auch Signale: an den Stoffwechsel, an die Muskulatur, an das Immunsystem. Und genau deshalb braucht ein PSSM-Pferd eine andere Ernährung als ein gesundes Tier.
Was macht PSSM-Pferde futtersensibel?
Der Muskelstoffwechsel ist bei PSSM empfindlich – bei Typ 1 genetisch fehlgesteuert, bei Typ 2 funktionell überlastet. Das bedeutet: Was dein Pferd nicht optimal verwerten kann, bleibt im Stoffwechsel hängen – und genau dort beginnt das Problem.
Besonders Zucker, Stärke und leicht verfügbare Kohlenhydrate bringen das System schnell aus dem Takt. Denn du erinnerst dich: Bei PSSM-Typ-1-Pferden sorgt ein defektes Enzym dafür, dass überschüssiger Zucker als fehlerhaftes Glykogen im Muskel eingelagert wird – anstatt sauber verstoffwechselt zu werden. Bei Typ 2 fehlt oft die zelluläre Verwertungskraft – Proteine, Mineralstoffe und Zucker kommen nicht dort an, wo sie gebraucht werden.
Warum der Stoffwechsel andere Regeln hat als bei gesunden Pferden
Was bei einem gesunden Pferd als „ausgewogene Ration“ gilt, kann bei einem PSSM-Pferd Schmerzen, Schübe oder Leistungsverlust auslösen. Deshalb geht es bei der Ernährung vor allem um Stoffwechsellogik.
Dein Pferd braucht eine Versorgung, die:
- den Blutzuckerspiegel stabil hält – also keine starken Energiepeaks und -einbrüche verursacht,
- die Glykogenbildung nicht weiter ankurbelt,
- Übersäuerung vorbeugt und das Körpermilieu stärkt,
- ausreichend Aminosäuren liefert, damit Muskulatur aufgebaut und erhalten werden kann,
- und gleichzeitig die Entgiftungsorgane entlastet, die bei chronischem Zellstress ohnehin auf Hochtouren laufen.
Schauen wir uns im nächsten Schritt an, wie du Energie und Nährstoffe richtig zuführst – damit dein Pferd in Balance kommt. Ganz ohne Zuckerfalle.
Energie ist nicht gleich Energie
Bei PSSM musst du nicht nur schauen, wie viel Energie dein Pferd bekommt, sondern vor allem, woher diese Energie stammt. Denn nicht jede Energiequelle wird vom Körper gleich verarbeitet. Und genau hier liegt der Schlüssel.
Zucker und stärkehaltige Futtermittel lassen den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen – und damit auch die Glykogenproduktion im Muskel. Für ein PSSM-1-Pferd bedeutet das: Der Muskel lagert wieder fehlerhaftes Glykogen ein. Für ein PSSM-2-Pferd heißt es: Der Stoffwechsel wird mit einem Brennstoff geflutet, den er gar nicht richtig nutzen kann.
Vorsicht Futterfalle – was PSSM-Pferde besser nicht fressen sollten
So wie dein Pferd Energie anders verwertet, musst du es auch vor bestimmten Futtermitteln schützen. Vieles auf den Futteretiketten klingt nämlich harmlos, kann im Stoffwechsel eines PSSM-Pferdes aber für echten Schaden sorgen.
Kraftfutter, Müslis, Melasse, Mash, süße Leckerlis oder auch zu viele Karotten liefern leicht verfügbare Zucker und Stärke – genau das, womit ein empfindlicher Muskelstoffwechsel nicht klarkommt. Und schon geschieht es: Der Blutzuckerspiegel schnellt hoch, die Glykogenspeicher laufen über, das Milieu kippt. Der nächste Schub rückt näher.
Was du daher vom Futterplan streichen solltest:
- melassierte Müslis und Kraftfutter
- Getreide und stärkehaltige Pellets
- süße Mashmischungen, Leckerlis mit Honig, Apfeltrester oder Sirup
- zuckerreiche Futtermittel, auch in getreidefreier Form
Was viele nicht wissen: Auch getreidefrei ist nicht zwangsläufig sicher. Denn: Getreidefrei heißt nicht automatisch kohlenhydratarm. Viele sogenannte „getreidefreie“ Müslis enthalten zwar keinen Hafer oder Mais, dafür aber trotzdem noch Melasse, Apfeltrester, Rübenschnitzel oder andere Zuckerträger.
Deshalb: Behalte immer die Gesamtmenge an Kohlenhydraten im Blick – also auch die versteckten Zuckerarten wie Einfachzucker (zum Beispiel Glukose), Zweifachzucker (wie etwa Saccharose) und Polysaccharide wie Stärke. Denn genau diese Bausteine können im Muskel zum Problem werden.
Als Faustregel gilt: Der Anteil an nicht-strukturellen Kohlenhydraten (NSC, englisch für "Non-Structural-Carbohydrates) – also Zucker plus Stärke – sollte bei PSSM Typ 1 unter 10–12 % der Ration bleiben. Auch bei anderen Myopathien lohnt sich eine reduzierte aber fettbetonte Fütterung – selbst wenn keine exakten Grenzwerte definiert sind.
Fett als Energiequelle
Deutlich besser geeignet bei PSSM-Pferden sind in der Tat langsam verfügbare Energiequellen wie hochwertige Fette, zum Beispiel aus Leinöl oder Reiskeimöl. Oder bestimmte Ölsaaten und ballaststoffreiche Rationen mit niedrigem Zuckergehalt. Sie liefern deinem Pferd Energie – aber eben ohne die riskanten Blutzuckerpeaks. Und sie belasten den empfindlichen Muskelstoffwechsel nicht zusätzlich.
Wenn es um hochwertige Öle geht, musst du sie jedoch in einem sinnvollen Rahmen zufüttern. Denn zu viel, zu schnell oder falsch kombiniert kann selbst das Beste vom Besten zur Belastung werden.
Was du beim Füttern von Öl beachten solltest:
- Langsam einschleichen: Starte mit kleinen Mengen (zum Beispiel 10–20 ml pro 100 kg Körpergewicht) und steigere über 7–14 Tage – so kann sich der Stoffwechsel anpassen.
- Nicht auf nüchternen Magen: Öl gehört immer zum Raufutter – also zusammen mit Heu oder rohfaserreicher Grundration, damit es gut verdaut wird.
- Vitamin E ergänzen: Fettverwertung erhöht den Bedarf an Antioxidantien. Achte darauf, deinem Pferd ausreichend Vitamin E bereitzustellen – besonders bei hohen Ölgaben.
Übrigens: Ölsaaten wie Leinsamen oder Hanfsamen liefern nicht nur Fett, sondern auch Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe – ideal, um Energie stoffwechselfreundlich zuzuführen und gleichzeitig das innere Milieu zu stärken.
Außerdem: Wenn du deinem Pferd Futter gibst, das langsam und kontinuierlich verwertet wird, bleibt sein ganzer Stoffwechsel stabiler – auch der Säure-Basen-Haushalt, die Entgiftungsprozesse und die Nährstoffaufnahme profitieren davon.
Damit ist Fett für PSSM-Pferde eine gezielte Hilfe für den gesamten Stoffwechsel. Doch auch hier gilt: Nur wenn die Basis stimmt, kann der Körper deines Pferdes mit der zugeführten Energie überhaupt sinnvoll arbeiten – und diese Basis ist das Raufutter.
Raufutter – die stille Kraft im Futterplan
Es wirkt auf den ersten Blick unspektakulär – doch in Wahrheit ist es bei PSSM der wichtigste Baustein der gesamten Fütterung: strukturreiches, zuckerarmes Heu. Denn nichts entlastet den empfindlichen Stoffwechsel so dauerhaft und zuverlässig wie gutes Raufutter.
Heu liefert deinem Pferd kontinuierlich Energie über schwer verdauliche Kohlenhydrate – also kein schneller Zucker-Flash, sondern eine stabile Grundlage. Es fördert die Kautätigkeit, stabilisiert den pH-Wert im Darm, unterstützt die Entsäuerung über die Schleimhäute und sorgt dafür, dass überhaupt erst eine gesunde Verdauungs- und Stoffwechsellogik entstehen kann.
Darauf solltest du achten:
- Füttere Spätschnitt oder überständiges Heu – weniger Fruktane, weniger Stoffwechselstress
- Füttere Zuckerarm: ideal sind 10–12 % leicht verdauliche Kohlenhydrate (NFC)
- Füttere staubfrei und hygienisch: Schimmel und Keime belasten den Organismus zusätzlich
- Füttere strukturreich und faserstabil: je mehr dein Pferd kauen muss, desto besser für Stoffwechsel und Darmmilieu
Ergänzend kann auch Stroh in Maßen eingebunden werden – zum Beispiel bei sehr futtrigen Pferden oder wenn der Heuzuckergehalt zu hoch ist. Wichtig ist nur: Die PSSM-Fütterung beginnt nicht im Kraftfuttersack, sondern am Heunetz. Und genau dort entscheidet sich oft schon, ob dein Pferd stabil bleibt – oder der nächste Schub nur eine Frage der Zeit ist.
Eiweiß – Substanz für den Muskel, Sicherheit für den Stoffwechsel
Wenn du willst, dass dein Pferd Kraft aufbaut, braucht es Substanz – und die kommt nicht aus dem Nichts. Sie kommt aus Eiweiß. Denn Eiweiß ist der Baustoff, aus dem Muskulatur entsteht – und was sie dauerhaft zusammenhält.
Bei PSSM-Pferden entscheidet die Eiweißversorgung oft darüber, ob dein Pferd Muskulatur aufbaut oder abbaut. Ob es stabil bleibt oder in die Schwäche kippt. Warum? Weil der Muskelstoffwechsel bei PSSM nicht allein Energie braucht, sondern präzise Baupläne und die richtigen Bausteine.
Bei Pferden mit PSSM Typ 2 zum Beispiel ist der Proteinbedarf oft erhöht – weil der Körper vieles wieder verliert, was er eigentlich behalten müsste. Weil er Eiweiß nicht gut verwerten kann. Und weil Stress, Schmerzen oder Entzündungen ihn zusätzlich belasten.
Die Folge: Der Körper gerät in eine negative Stickstoffbilanz. Er verbraucht mehr, als er aufnehmen und nutzen kann. Die Muskulatur baut ab – leise, aber deutlich. Und manchmal reicht schon eine kleine Unterversorgung, um den nächsten Schub zu triggern.
Deshalb gilt für dich: Setze Eiweiß gezielt ein – stopfe es nicht blind in dein Tier, spare aber auch nicht damit. Gute Proteinquellen sind zum Beispiel:
- Hanfprotein – naturbelassen, reich an essenziellen Aminosäuren, gut verträglich
- Leinextraktionsschrot – als schonende Ergänzung mit hohem Faseranteil
- Aminosäurenpräparate – wie Lysin, Methionin, Threonin – für präzise Versorgung
Was du über Luzerne wissen musst: Sie kann deinem Pferd helfen – vor allem, wenn es schwer Muskeln aufbaut oder Eiweiß schlecht verwertet. Aber: Zu viel davon kann den Körper auch belasten, da Luzerne viel Eiweiß und Kalzium enthält.
Wird das nicht optimal verwertet oder ist die restliche Ration schon sehr eiweißreich, kann das zu Stoffwechselstress führen. Manche Pferde reagieren dann mit Unruhe, Muskelverspannungen oder vermehrtem Kotwasser. Achte also gut auf dein Pferd: Wirkt es nach der Fütterung angespannt? Wird es nervös oder schwer führbar? Dann war’s vielleicht zu viel des Guten.
Bei PSSM Typ 1 kann eine Eiweißergänzung ebenfalls sinnvoll sein – etwa zur Muskelpflege nach einem Schub oder bei schlechtem Futterzustand. Aber hier bitte mit Augenmaß – und immer mit Blick auf die Leber, denn sie muss mitverstoffwechseln.
Und nicht vergessen: Eiweiß ist nicht alles. Damit der Körper es wirklich nutzen kann, braucht es auch eine Leber, die entlastet ist. Einen Darm, der aufnahmefähig ist. Und ein Milieu, das die richtige Bühne bietet. Zu diesem kommen wir gleich, doch zunächst schauen wir uns einen weiteren wichtigen Baustein in der Fütterung an: die Mineralstoffe.
Optimiere die Versorgung mit Mineralstoffen
Man sieht sie nicht. Man riecht sie nicht. Der Körper braucht nur vergleichsweise kleine Mengen von ihnen. Und doch entscheiden sie mit darüber, wie gut dein Pferd mit seiner Krankheit klarkommt: Mineralstoffe. Sie wirken oft im Hintergrund – aber genau dort halten sie alles am Laufen.
Bei PSSM-Pferden sind viele dieser Stoffwechselhelfer besonders gefragt. Warum? Weil der Stoffwechsel ohnehin unter Dauerbelastung steht. Und weil eine unausgewogene Versorgung weitreichende Folgen haben kann: von Muskelschwäche über Krämpfe bis hin zu einer schlechteren Entgiftungsleistung.
Diese Mineralstoffe verdienen deine besondere Aufmerksamkeit:
- Magnesium: Wichtig für Muskelentspannung, Nervenleitung und Stressregulation. Bei PSSM kann ein Mangel zu Krämpfen und Unruhe führen.
- Zink: Unterstützt Regeneration, Hautstoffwechsel und Immunsystem – und wird bei chronischem Zellstress besonders stark verbraucht.
- Selen: Antioxidans und Zellschutz – aber Achtung: Nicht blind ergänzen. Zu viel kann ebenso schaden wie zu wenig. Eine Blutanalyse gibt hier Sicherheit.
- Calcium: Wichtig für die Reizübertragung in den Muskeln – aber im Gleichgewicht mit Phosphor und Magnesium halten.
Das Wichtigste: Es reicht nicht, „irgendeinen“ Mineralstoffmix zu füttern. Du brauchst eine exakt abgestimmte Versorgung, die zu deinem Pferd, zu seinem Heu, zu seiner Leberbelastung und zu seinem Stoffwechselprofil passt.
Setze deshalb auf ein gutes Basis-Mineralfutter ohne Zuckerzusätze und mit organisch gebundenen Spurenelementen. Und ergänze nur das, was dein Pferd wirklich braucht – nach Befund, nicht nach Bauchgefühl.
Das Körpermilieu – innen hängt alles zusammen
Vielleicht fragst du dich, warum zwei Pferde mit gleicher Diagnose, gleichem Management und ähnlicher Genetik völlig unterschiedlich auf Futter, Wetter oder Bewegung reagieren. Die Antwort liegt oft im Körpermilieu – der biochemischen Grundstimmung im Inneren des Pferdes.
Dieses Milieu umfasst alles, was im Verborgenen wirkt: pH-Wert, Zellumgebung, Stoffwechselaktivität, Entgiftungskapazität. Gerät dieses System aus dem Gleichgewicht – etwa durch Übersäuerung, schlechte Leberfunktion oder eine gestörte Darmflora – verstärken sich Symptome, Regeneration fällt schwerer, und der gesamte Organismus ist anfälliger für Schübe.
Das Körpermilieu ist also nicht irgendein Nebenfaktor – es ist die Bühne, auf der Gesundheit überhaupt erst möglich wird. Genau deshalb lohnt es sich, gezielt dafür zu sorgen, dass dein Pferd in einem stabilen inneren Gleichgewicht bleibt.
Behalte die großen Akteure im Körper deines Pferdes im Blick
Bei PSSM denkst du verständlicherweise wohl zuerst an die Muskeln. An Verspannung, Zittern, Leistungsabfall. Schließlich ist es das, was du mit eigenen Augen sehen kannst. Was dein Pferd wirklich aus dem Gleichgewicht bringt, sitzt jedoch tiefer – im Stoffwechsel, im Immunsystem, im Körpermilieu.
Besonders chronische Stoffwechselbelastungen wie PSSM verlangen von dir ein ganzheitliches Verständnis. Du weißt: Es reicht nicht, nur Symptome zu behandeln oder einzelne Futtermittel zu optimieren. Was dein Pferd braucht, ist eine funktionierende Basis – von innen heraus.
Und genau hier spielen vier zentrale Körpersysteme eine Schlüsselrolle:
- Der Darm – das Zentrum für Immunabwehr und Nährstoffaufnahme. Wenn die Darmflora gestört ist, geraten Energiehaushalt, Muskelversorgung und Immunsystem ins Wanken.
- Die Leber – sie ist das Entgiftungsorgan Nummer eins. Sie verarbeitet Medikamente, filtert Schadstoffe und reguliert viele Stoffwechselprozesse. Ist sie überlastet, staut sich der Stoffwechselstress im ganzen Körper.
- Das Körpermilieu – also das feine Gleichgewicht aus Zellgesundheit, Flüssigkeitshaushalt und biochemischen Vorgängen. Ist das Milieu instabil, reagiert der Körper empfindlich – auf Futter, Stress, Belastung.
- Der Säure-Basen-Haushalt – das chemische Grundklima des Körpers. Gerät es aus der Balance, werden Nährstoffe schlechter verwertet, Enzyme gehemmt und Entzündungsprozesse begünstigt.
Vielen Pferdebesitzern ist nicht bewusst, dass Darm, Leber, Körpermilieu und der Säure-Basen-Haushalt maßgeblich durch Fütterung und Haltung beeinflusst werden.
Wie eine Ernährung gestaltet sein kann, die den Stoffwechsel deines Pferdes nicht zusätzlich belastet, sondern in seiner natürlichen Funktion unterstützt, hast du in den vorherigen Abschnitten gesehen – von der Energiequelle über die Eiweißversorgung bis zum passenden Raufutter.
Haltung & Stress – das unterschätzte Fundament
Artgerechte Haltung ist weder Luxus, noch ein Ideal, das nur wenigen vorbehalten sein darf. Sie ist – besonders bei PSSM – ein therapeutisches Mittel. Denn was bei PSSM-Pferden auf zellulärer Ebene aus dem Takt gerät, beginnt oft im Außen: im Stall, in der Herde, im Alltag.
Du weißt jetzt: Der Muskelstoffwechsel ist bei PSSM hochsensibel. Und das Nervensystem auch. Pferde, die täglich unter Strom stehen – weil sie zu wenig Auslauf, zu viel Unruhe oder eine instabile Herdenstruktur erleben –, sind innerlich im Alarmzustand.
Da ist es nur erwartbar, dass genau dieser Dauerstress irgendwann biochemisch durchschlägt: auf die Hormonachse, den Säure-Basen-Haushalt, das Körpermilieu.Stress ist ein PSSM-Schubauslöser. Aber vermeidbar.
Mehr als Quadratmeter: Haltung heißt Atmosphäre
Natürlich kann nicht jeder Pferdehalter einen Aktivstall bauen oder einen Paddock-Trail anlegen. Aber darum geht es auch nicht. Es geht um Haltung als Haltung – also darum, wie du deinem Pferd im Alltag Struktur, Ruhe und Sicherheit gibst. Ein klarer Tagesablauf, verlässliche Routinen, soziale Stabilität in der Herde und ein Umfeld ohne Dauerlärm oder ständigen Wechsel – das ist Gold wert.
Wenn dein Pferd stundenlang in der Box steht und nur kurz auf den Paddock darf, fehlt ihm nicht nur Bewegung – es fehlt ihm die Möglichkeit, Pferd zu sein. Bewegung ist nicht nur Therapie für den Muskel, sondern auch für das Nervensystem. Schon ein kleiner Umbau im Auslauf, ein häufiger Kontakt zur Herde oder ein täglicher Spaziergang können mehr bewirken als das x-te Ergänzungsfuttermittel.
Stress erkennen – und ernst nehmen
Was viele übersehen: Stress muss nicht laut sein. Es sind nicht nur Turniere oder Transporte, die PSSM-Pferden zusetzen. Es sind auch die kleinen Dinge: ein neuer Boxennachbar, ständiges Licht, hektische Stallgassen, Rangkämpfe in der Herde und andere soziale Instabilitäten. Und vor allem: Schmerz. Denn ein Pferd, das nicht laufen kann, fühlt sich instinktiv bedroht – auch wenn du längst bei ihm bist.
Darum wirken viele PSSM-Pferde nervös, schreckhaft oder reizbar. Nicht, weil sie charakterlich schwierig sind. Sondern weil sie innerlich kämpfen. Gegen Schmerzen. Gegen Überforderung. Gegen Unruhe im Außen. Schmerz bedeutet Stress – und bei PSSM bedeutet Stress im schlechtesten Fall noch mehr Schmerz.
Und genau deshalb brauchen diese Tiere esitzer, die mitfühlen. Die einordnen können, was da gerade passiert. Und die erkennen: Manchmal braucht es keine neue Therapie – sondern einen Schritt zurück. Ruhe. Klarheit. Vertrauen.
Manche Spannungen sitzen tiefer
Gerade bei sensiblen Pferden oder Importpferden, die schon viel erlebt haben, zeigt sich: Manche Spannungen kommen nicht vom Muskel – sondern aus dem Herzen. Negative Erfahrungen, Stallwechsel, unsaubere Trainingsreize oder soziale Konflikte können sich tief verankern. Und sie wirken weiter – auch im Stoffwechsel.
Mentaler Dauerstress erhöht die Säurelast im Körper, hemmt die Regeneration und destabilisiert das gesamte Milieu. Deshalb ist emotionale Stabilität ein ganz wesentlicher Gesundheitsfaktor. Gib deinem Pferd Sicherheit. Mit Menschen, die es versteht. Mit Umgebung, die nicht ständig neue Reize liefert. Mit Strukturen, die es entlasten statt überfordern.
Vermeide jeglichen Overkill
Nach der Diagnose greifen viele Besitzer verständlicherweise zu allem, was helfen könnte: neue Futtermittel, Heilpflanzen, Therapien, Ratschläge. Doch genau das kann den Körper überfordern. Denn jede neue Substanz muss aufgenommen, verarbeitet, wieder ausgeschieden werden – und das kostet Kraft. Kraft, die dein Pferd besser in Regeneration, Stoffwechselpflege und emotionale Stabilität investieren könnte.
Deshalb: Qualität vor Quantität. Ein klarer Fahrplan, keine wilden Haltungs- und Futterexperimente. Eine ehrliche Einschätzung, was wirklich hilft – und was nur kurzfristig beruhigt. Es braucht Mut zur Reduktion. Und den Fokus aufs Wesentliche.
Du musst nichts perfekt machen. Du musst nur verstehen, was dein Pferd stärkt. Und das beginnt nicht im Muskel – sondern in der Umgebung. Im Alltag, in dem dein Pferd sich sicher fühlt. In der Stallroutine, die ihm Halt gibt. In deiner Haltung – im doppelten Sinn.
Wenn dein Pferd merkt: „Hier kann ich durchatmen. Hier werde ich gesehen. Hier darf ich sein.“ – dann beginnst du, von innen heraus zu stabilisieren. Und das ist es, was du bei PSSM wirklich willst.
Am Anfang war da vielleicht nur ein komisches Gefühl. Irgendetwas stimmt nicht. Dein Pferd fühlt sich anders an. Und dann kam die Diagnose: PSSM. Vier Buchstaben, die alles verändern. Was du nun weißt: Es ist keine reine Muskelsache. Es geht um Stoffwechsel, um Milieu, um ein System, das aus dem Takt geraten ist – oft leise, oft lange unbemerkt.
Du hast gelernt: Was du fütterst, wie du bewegst, was du weglässt – all das sendet Botschaften. An den Körper deines Pferdes. An seinen Stoffwechsel. An seine Zellen. Und diese Botschaften können Chaos auslösen – oder Kraft schenken.
Du bist der Taktgeber. Du bestimmst das Umfeld. Du gibst Struktur. Sicherheit. Und neue Chancen – für ein System, das lernen darf, wieder im Gleichgewicht zu arbeiten. Es braucht keine Zauberei. Aber es braucht dich: klar, präsent, mit einem Blick für das Wesentliche.
Mit jedem Spaziergang, jedem gefüllten Heunetz, jedem ruhigen Tagesablauf hilfst du deinem Pferd, sich innerlich zu sortieren. Und genau darum geht es: um Stabilität. Echte Unterstützung von innen heraus statt Symptombekämpfung.
PSSM verlangt dir viel ab. Geduld, Wissen, Verantwortung – jeden Tag aufs Neue. Doch wie du gesehen hast, liegt genau darin auch deine größte Kraft: Du kannst gestalten, was im Körper deines Pferdes wirkt. Alles, was du jetzt tust, verändert nicht nur den Moment. Es verändert die Richtung.
Und je besser du dein Pferd kennst, desto klarer wird der Weg. Stabilität beginnt dort, wo du anfängst, mit den inneren Kräften deines Pferdes zu arbeiten. Deshalb: Werde Experte für dein Tier. Denn am Ende ist es nicht der Befund, der entscheidet, wie weit ihr kommt. Sondern du bist es.

