Osteopathie beim Pferd
Osteopathie wirkungsvoll unterstützen


Erfahrungsberichte von Anwendern:
Ataxie beim Pferd Cherry | 08.07.2010
Fieber beim Pferd Buster | 07.09.2009
Offen für Alternativen - Osteopathie in der Pferdemedizin
Ein Gespräch mit dem Tierarzt Dr. Januszewski
Der Tierarzt Dr. Thomas Januszewski behandelt seit über 20 Jahren vorwiegend orthopädische Probleme von Pferden in der ganzen Welt. Er setzt, wann er nur kann, auch naturheilkundliche und ernährungstherapeutische Verfahren ein. Durch seine Offenheit gegenüber Alternativen konnte er vielen Pferdebesitzern wieder Mut machen. Der gebürtige Oberbayer wohnt in der Pfalz, in Neustadt an der Weinstrasse. Beruflich ist sein Aktionskreis nicht nur auf Deutschland beschränkt.
Das GladiatorPLUS-Team durfte ein Interview mit ihm führen.
GladiatorPLUS: Warum setzen Sie oft auf Naturheilkunde und Physiotherapie?
Dr. Januszewski: Selbstverständlich lehne ich die Schulmedizin nicht ab und verwende sie auch selbst. Solange ich im jeweiligen Fall jedoch eine Therapie mit ganzheitlichen Methoden kenne, bevorzuge ich diese, da die entsprechenden Methoden bzw. Mittel den Körper zur Selbstheilung anregen und in aller Regel frei von Nebenwirkungen sind. Die meisten dieser Mittel erscheinen auch nicht auf entsprechenden nationalen und internationalen Dopinglisten.
GladiatorPLUS: Sie sind bekannt für Ihre großartig angewandten physiotherapeutischen Maßnahmen. Wann macht es Sinn, Pferde so zu behandeln?
Dr. Januszewski: Grundsätzlich untersuche ich die Pferde bei fast jeder Behandlung auf Blockaden und Störungen im Lymphfluss, die durchaus andere Körperteile oder den Stoffwechsel beeinträchtigen können. Die Blockaden sind auch häufig auslösend für Lahmheiten und können unbehandelt zur Herausbildung einer Arthrose führen.
GladiatorPLUS: Wie kann so eine Blockade entstehen?
Dr. Januszewski: Die Blockaden werden in der Fachsprache als „Läsionen“ bezeichnet. Sie entstehen durch Verletzungen, Entzündungen, aber auch aufgrund verminderter Durchblutung. Langfristig können die Blutzirkulation, das vegetative Nervensystem und innere Organe gestört werden.
GladiatorPLUS: Blockaden können durch Entzündungen hervorgerufen werden und ebenso Entzündungen auslösen?
Dr. Januszewski: Die Wirbelsäule ist das zentrale Element des Skeletts, sie dient als Hauptstütze des Körpers und als Verteiler des Nervensystems. Blockaden der Wirbelsäule haben Auswirkungen auf die Peripherie, Schäden in der Peripherie können anders herum auch Blockaden in der Wirbelsäule hervorrufen. Nur selten sind Störungen zu finden, die nicht von Blockaden der Wirbelsäule begleitet sind und zwar dort wo die entsprechenden Nerven aus der Wirbelsäule austreten.
GladiatorPLUS: Heißt das, dass Pferde ein Problem an einem Körperteil zeigen, aber ein anderes ursächlich ist?
Dr. Januszewski: Es kann durchaus sein, dass die Folgen einer Blockade ebenso Herz-, Lungen-, Nieren- und Verdauungsbeschwerden sein können. Wenn sich die Knochenstrukturen, die muskulären Strukturen und/oder die Strukturen der inneren Organe ändern, wird sich auch deren Funktion verändern und umgekehrt. Beispiel: Eine Dysfunktion der Eierstöcke bei einer Stute kann später zu einer Gelenkblockade in Höhe der Lendenwirbelsäule führen.
GladiatorPLUS: Welche Probleme könnten beispielsweise Blockaden der Halswirbelsäule beim Pferd hervorrufen?
Dr. Januszewski: Bei einer Blockade des C1 (C steht für Cervikaler- bzw. Halswirbel) können Verhaltensstörungen, evtl. hervorgerufen durch Durchblutungsstörungen des Gehirns bis hin zu Kopfschmerzen ausgelöst werden. Eine Blockade des C2 kann zu Schmerzen der Kaumuskulatur mit entsprechenden Folgen beim Reiten (Gebissprobleme) führen. Es besteht nach meiner Erfahrung auch ein direkter Zusammenhang mit Lahmheiten der Zehengelenke mit diesem Wirbel. Pferde mit Blockaden von C3 oder C4 können Probleme beim Galoppwechsel haben. Die Blockade von C6 und C7 tritt häufig auf und betrifft die Schulter und Vordergliedmaße und ist oft Ursache für immer wiederkehrende Sehnenentzündungen.
GladiatorPLUS: Welche Probleme könnten bei Blockaden der Brustwirbelsäule entstehen?
Dr. Januszewski: Blockaden von T3 bis T10 (T steht für Thorakale bzw. Brustwirbel) können mit Lungen- und Herzbeschwerden in Zusammenhang stehen. Oft stören diese Blockaden die Bewegung des gesamten Schultergürtels und die Pferde kommen wie auf Eiern aus der Box. Sehr häufig sehe ich diese oder ähnliche Symptome bei Pferden mit einem sehr hohen und oder sehr breiten Widerrist. Hier ist dann auch in jedem Fall der Sattel zu kontrollieren.
Die Verspannung in der Schultermuskulatur lässt dann während der Arbeit nach, die Pferde bleiben aber fest und nehmen dem Reiter häufig die Zügel. Ein anderes Symptom dieser Blockaden tritt beim Springen auf: Die Pferde sind sehr heftig zum Sprung und springen dann ohne Rücken. Verweigern tun diese Pferde nur sehr selten, weil das Stoppen vor dem Hindernis offensichtlich schmerzhafter ist, als das Springen. Wenn sie Verweigern, dann meist in Kombinationen. Diese Pferde können auch häufiger stolpern.
Blockaden von T 11, T12 oder T13 können sich in Gähnen und Flehmen, manchmal sogar Koppen zeigen und stehen in Verbindung mit Magenbeschwerden. Der T14 steht im Zusammenhang mit Lebererkrankungen, Blockaden im T15 können sich in spastischen Koliken oder Durchfällen zeigen. Pferde mit Blockade von T 16 oder 17 laufen sehr häufig auf 2 Hufschlägen - es ist kaum möglich sie gerade zu stellen. Die Blockade des T18 fühlt man häufig bei Pferden mit chronischer Verstopfung. Die Pferde laufen wie platt los und können unter dem Reiter nicht oder nur wenn sie stehen bleiben äpfeln. Eine Besserung der Symptomatik nach einer Mobilisation dieses Wirbels dauert meist mindestens 3-4 Wochen, Es braucht einfach Zeit bis die Darmflora und die Darmschleimhaut wieder in Ordnung sind.
GladiatorPLUS: Und wenn nun Blockaden der Lendenwirbelsäule entstanden sind?
Dr. Januszewski: Blockaden von L 1 führen bei Stuten gerne zu Problemen mit den Eierstöcken. Blockaden von L 2 stehen eher in Verbindung mit Nierenproblemen, während
Blockaden von L 3 chronische Durchfälle und Probleme mit den Kniescheiben-Bändern hervorrufen können. Blockaden von L 6 sind häufig mit Blasenproblemen verbunden. Bei einer Blockade verengt sich der Blasenhals durch einen Spasmus, die Folgen sind Schmerzen beim Urinieren. Häufig ist dann auch L 2 blockiert, wenn die Niere mit betroffen ist. Bei chronischen Entzündungen an der Gebärmutter unterstützt eine Behandlung dieses Wirbels die üblichen Therapien sehr. Im Zusammenhang mit einer Läsion des 6. Lendenwirbels steht häufig auch eine Torsion des Kreuzbeins – diese Pferde galoppieren dann häufig mit hoher Kruppe oder wie man sagt – sie traloppieren.
GladiatorPLUS: Man spricht ja auch oft davon, dass das Kreuz-Darmbein-Gelenk eingerenkt wurde. Was meinen Sie dazu?
Dr. Januszewski: Blockaden des Kreuz-Darmbein-Gelenks sind sehr häufig und wirken sich auf die gesamte Wirbelsäule aus, da es den Antrieb der Hinterbeine auf das gesamte Gebäude vermittelt. Betroffen sind dadurch auch die Nerven der Hintergliedmaßen (Ischias). Hier sind hauptsächlich motorische Störungen zu beobachten. Die Pferde sind nicht wirklich lahm, gehen aber nicht im Takt oder haben Schwierigkeiten auf einer Seite das Gewicht voll zu übernehmen. Man kann hier tatsächlich oft eine Asymmetrie der Kruppe beobachten. Die Pferde sträuben sich gegen die Biegung auf die tiefere Seite. Manche dieser Pferde schlagen sich eine Piephacke in der Box, denn der Schmerz in Ruhe ist hier genauso groß wie der in Bewegung, da durch die Schiefstellung des Kreuzbeins ein permanenter Reiz auf die betroffenen Nerven ausgelöst wird.
GladiatorPLUS: Wir bedanken uns für Ihr offenes Interview und die vielen Informationen, auch ganz besonders im Namen unserer Leser, denen Sie dadurch sicherlich helfen können.

