Hufrollenentzündung des Pferdes
Was hilft bei Hufrollenentzündung?


Erfahrungsberichte: Hufprobleme
Hufprobleme beim Pferd Lautinus | 06.12.2008
Hufprobleme beim Pferd Let it be | 15.03.2010
Die Hufrollenentzündung beim Pferd, auch Strahlbeinlahmheit genannt, tritt entweder akut (Podotrochlitis) oder in chronischer Form (Podotrochlose) auf. Die Pferdekrankheit befällt überwiegend die Vorderbeine. Unbehandelt ist ein schmerzfreies Gehen des Pferdes nicht mehr möglich.
An der Hufrollenentzündung sind folgende Strukturen im Huf beteiligt: das Strahlbein (auch Hufrolle genannt), ein rollenförmiger Knochen, der als Unterstützungsknochen im Hufgelenk dient, das untere Ende der tiefen Beugesehne sowie der Hufrollenschleimbeutel. Er dient als Polster für das Strahlbein.
Auslöser der akuten Form sind Verletzungen des Hufrollenbereiches, wie z.B das Eintreten von Fremdkörpern. Es kommt zu Entzündungen, die unter Umständen auch chirurgisch behandelt werden müssen.
Die chronische Hufrollenerkrankung entsteht durch arthrotische Veränderungen an der Hufrolle. Im allgemeinen tritt die Hufrollenentzündung beim Pferd beidseitig auf. Hierbei verändern sich die Knochen- und Gewebsstrukturen. Schlimmstenfalls kommt es zur weitgehenden Zerstörung des Strahlbeins.
Die Forschung hat die Ursachen der Hufrollenerkrankung noch nicht hinreichend geklärt. Jedoch sollen mehrere Ursachen dafür verantwortlich sein.
Als eine der Ursachen der Hufrollenentzündung beim Pferd gilt die Fehlbelastung des hinteren Hufabschnittes. Auslöser kann eine Fehlstellung des Hufes sowie fehlerhaftes Beschlagen sein. Als Folge kommt es zur krankhaften Veränderung des Strahlbeins. Eine unzureichende Hufpflege kann diese Erkrankung ebenfalls auslösen. Weitere Faktoren sind eine mangelhafte oder schlechte Durchblutung des Hufrollenbereiches. Leiden Jungpferde unter einer Hufrollenentzündung, kann eine genetische Veranlagung vorliegen. Da oftmals Sportpferde, insbesondere Springpferde, von der Hufrollenerkrankung betroffen sind, gilt eine Überbeanspruchung als weiterer Auslöser. Außerdem kann eine Hufrollenentzündung durch Reitfehler mit zu starker Beanspruchung der Vorhand oder das Reiten auf tiefen Boden hervorgerufen werden.
Die Symptome einer Hufrollenentzündung beginnen schleichend. Selten kommt es zu plötzlich auftretendem Lahmen. Es entsteht ein klammer, unnatürlicher Gang, verbunden mit Schwungverlust. Dies geschieht vorwiegend auf harten Böden. Das Pferd versucht den hinteren Hufbereich zu entlasten, indem es die Zehen vermehrt belastet. Das Tier stolpert häufig. Bedingt durch das veränderte Laufverhalten, entwickelt sich eine verstärkte Zehenabnutzung bei unbeschlagenen Pferden oder am Eisen sichtbarer Abnutzung im Zehenbereich. In engen Wendungen steigern sich die Schmerzen. Bei Springpferden vermehren sich Springfehler, später werden Hindernisse verweigert. Neben dem typischen Wendeschmerz verschlimmern sich die Symptome bei Belastung.
Diagnostiziert wird die eine Hufrollenentzündung in der Regel durch die Provokationsmethode. Das Pferd wird in einem engen Zirkel auf hartem Boden geführt. Der klamme Gang wird sichtbar. Anschließend werden durch Leitungsanästhesie die Nerven, die zur Strahlbeinregion führen, betäubt. Bewegt sich das Pferd danach deutlich besser oder ist lahmfrei, kann der Tierarzt die Erkrankung auf die Hufrolle eingrenzen.
Die Keilprobe ermöglicht eine weitere Diagnosestellung. Der betroffene Huf des Pferdes wird auf einen Keil gestellt. Die hohe Seite wird unter den Zehenbereich gelegt. Der Tierarzt überstreckt so die Beugesehne und die Zehengelenke. Bei einer Entzündung der Hufrolle merkt man dem Pferd die Schmerzen bei direkt anschließender Trabbewegung deutlich an.
Mittels Röntgenuntersuchungen stellt der Tierarzt Veränderungen am Strahlbein/Hufrolle fest. Entzündungen im Bereich der Beugesehne sowie des Schleimbeutels kann man auf dem Röntgenbild nicht feststellen. Diese werden durch Ultraschall oder Kernspintomografie (MRT) diagnostiziert.
Je eher die Krankheit behandelt wird, desto größer sind die Chancen, den Entzündungsprozess abzuheilen. Ist es bereits zu stärkeren Veränderungen am Knochen gekommen, wird es ein sehr langwieriger Heilungsprozess.
Als Maßnahme werden Weidegang mit viel Ruhe verordnet. Stoßbelastungen des Hufes müssen vermieden werden. Das Pferd darf in dieser Behandlungsphase nicht geritten werden. Später wird das Pferd mit ganz langsamem Schrittaufbau ohne Reitergewicht wieder an zunehmende Belastung des Hufes gewöhnt. Die Bewegung im Schritt auf ebenem, nicht zu hartem Boden dafür, den Stoffwechsel der Hufe anzuregen.
Verletzungen des Hufes müssen behandelt und desinfiziert werden. Bei Entzündungen sorgen Antibiotika dafür, dass die Keime abgetötet werden.
Die chronische Form der Hufrollenerkrankung wird durch entzündungshemmende und durchblutungsfördernde Medikamente behandelt. Ziel ist es, den Entzündungsprozess zum Abklingen zu bringen, die Hufrolle wieder aufzubauen, die Schleimbeutelentzündung zu behandeln, und die Sehne wieder abzuheilen.
Leidet das Pferd unter permanenten Schmerzen, steht als allerletzte Möglichkeit der Nervenschnitt (Neurektomie) zur Verfügung. Hierbei werden die Nerven, welche die Hufrolle versorgen durchtrennt. Der hintere Teil des Hufes wird dadurch schmerzfrei, aber auch völlig gefühllos. Allerdings schreitet die Krankheit an sich weiter voran und die Veränderungen nehmen zu. Pferde mit Nervenschnitt dürfen keinesfalls stark belastet werden. Die Teilnahme an Turnieren ist ihnen untersagt, allenfalls freizeitmäßiges Reiten ist möglich.
Bei der Behandlung muss auch der Hufschmied mitwirken. Als Therapie der Hufrollenentzündung beim Pferd wird in manchen Fällen ein Spezialbeschlag empfohlen. Dadurch wird die Belastung des hinteren Hufbereiches abgemildert, die tiefe Beugesehne entlastet und der Abrollpunkt nach hinten verlegt. Darüber hinaus kann eine künstliche Erhöhung der Trachten für eine Entlastung der Beugesehne und des Strahlbeins sorgen. Ein entsprechend zugerichteter unbeschlagener Huf bietet den Vorteil, dass durch den barfuß gut funktionierenden Hufmechnismus die Durchblutung im Huf und im Hufrollenbereich von Haus aus besser ist. Nur durch ausreichende Blut- und somit Sauerstoffzufuhr in den Hufrollenbereich können Regenerationsvorgänge stattfinden.
Als alternative Heilmethoden bieten sich Akupunktur sowie Magnetfeld- und Lasertherapie an. Knorpelzellextrakte können die Gelenke wieder helfen aufzubauen. Auch die Zufütterung von Extrakten der grünlippigen neusseländischen Muschel, von Kardewurzel oder Gelatine haben sich bewährt. Als Zusatztherapie stehen mehrere homöopathische Mittel zur Verfügung. Mit ihrer Hilfe wird nicht nur der Bereich der Hufrolle angesprochen, sondern der Pferdeorganismus in seiner Gesamtheit, was oft den Durchbruch in der Behandlung bringt. In diesem Zusammenhang muss ebenfalls auf die ausreichende Versorgung mit Spurenelementen wie Selen, Zink und Kupfer und Mineralien wie beispielsweise Kieselerde geachtet werden.
Der Hufrollenentzündung lässt sich durch gewissenhafte Hufpflege und sachgemäße Hufbearbeitung und passenden Hufbeschlag vorbeugen. Bei bestehender Huffehlstellung ist eine regelmäßige Korrektur durch den Hufschmied besonders wichtig.
Vor dem Training ist eine angemessene und schonende Aufwärmphase wichtig. Springen und Galoppieren auf hartem oder zu tiefem Boden müssen vermieden werden, ebenso abruptes Abstoppen.
Wichtig ist, dass jeder Besitzer sein Pferd genau beobachtet. Kommt es zu Veränderungen im Gangverhalten, muss nach der Ursache gesucht werden. Je früher eine Hufrollenentzündung behandelt wird, umso besser sind die Heilungsaussichten. Mit naturheilkundlicher Behandlung des gesamten Pferdeorganismus lassen sich häufig auch fortgeschrittene Stadien sehr gut regenerieren.

